
Diese Art des Austauschs und der „Globalisierung" des Weingeschmacks ist in der Geschichte des Weinbaus jedoch nicht wirklich neu. Von ihren Ursprüngen im Kaukasus an waren Weinreben und Wein fast ständig Objekt und Vehikel des Austauschs zwischen den Kulturen. Rebsorten wurden von einem Land ins nächste, von einem Kontinent in den anderen verpflanzt, und mit ihnen die Kunst des Weinmachens, bestimmte Techniken der Weinbereitung und damit natürlich auch bestimmte Wein- oder Geschmackstypen.
Die Entwicklung des Weinbaus ist untrennbar mit der Geburt der vorderasiatischen und europäischen Zivilisationen verbunden. Obwohl Nomadenvölker bereits vor mehr als 7000 Jahren wilde Trauben zu Wein vergoren, im 8. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung im Nahen Osten erste, rudimentäre Rebpflanzungen angelegt wurden und die ältesten Funde von Werkzeugen im nördlichen Kaukasus, die dem Weinmachen gedient haben könnten, auf das 5. oder 6. Jahrtausend v. Chr. datiert werden, ist die Existenz von Rebkulturen wissenschaftlich erst für das 4. Jahrtausend in Ägypten und im Zweistromland, in der Ägäis für etwa 2500 v. Chr.
nachgewiesen.

Wahrscheinlich stammt der Begriff Wein selbst aus dem Armenischen, Hebräischen, Arabischen oder dem Sanskrit und gelangte über das griechische „oinos" und das lateinische „vinum" zu uns. Eine erste Blüte erlebte der Weinbau im Ägypten der Pharaonen. Unter ihnen entwickelte sich auch zum ersten Mal ein reger Weinhandel, und mancher Historiker vermutet gar, dass die Grundlagen unserer modernen Ökonomie – Geld, Verträge, Gerichte, Rechnungswesen und vielleicht sogar unser Zahlensystem und Zeitmaß – im Rahmen dieses (Wein-)Handels erfunden wurden.
Griechenland war die erste europäische Etappe des Weinbaus, wobei die minoische Kultur Kretas als Brückenkopf diente. Bereits im 2. Jahrtausend war Wein ein fester Bestandteil der griechischen Kultur. Vor allem die meist mit Gewürzen, Honig, Harz oder Duftstoffen aromatisierten Produkte der Ägäisinseln Lesbos, Rhodos und Thasos genossen weit über die Region hinaus Ansehen. Chios, das Bordeaux der Antike, exportierte gar bis ins Gebiet des heutigen Russland. Wein gewann für die Griechen eine solche wirtschaftliche und soziale Bedeutung, dass sie ihm eine eigene Gottheit widmeten: Dionysos, den Gott der Fruchtbarkeit und der Ekstase.
Die griechischen Siedler, die in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. neue Lebensräume im restlichen Mittelmeerraum eroberten, führten den Weinbau in den Kolonien ein: Sizilien, Süditalien und Südfrankreich wurden zu neuen Zentren der europäischen Weinkultur und lösten das alte Griechenland ab. Es blieb den Römern vorbehalten, den Weinbau zu einem vollwertigen Wirtschaftszweig zu entwickeln und ihn in Mitteleuropa einzuführen.
| ||||||||||||
Dabei wirkte eine Katastrophe als Auslöser: Die Zerstörung der Stadt Pompeji durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 unserer Zeitrechnung führte dazu, dass das römische Imperium auch in den nördlicher gelegenen Provinzen Weinbau entwickeln musste. Im Kernland Roms, dem heutigen Latium, war schon bald das gesamte landwirtschaftlich nutzbare Land mit Reben bestockt. Dies zwang Kaiser Domitian sogar dazu, die Anlage neuer Weinbergsflächen im gesamten Reich zu verbieten, da er die übrige Lebensmittelproduktion durch die entstehende Monokultur gefährdet wähnte. Erst 200 Jahre später hob Marcus Aurelius Probus, der die Versorgung seiner Truppen in den germanischen und pannonischen Provinzen mit dem kostbaren Nass sicherstellen wollte, das Domitianische Edikt wieder auf und sorgte so für die Entstehung und Entwicklung der mittel- und westeuropäischen Weinbaugebiete. [...]
Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment