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    <title>ENO WorldWine - Editorial</title>
    <link>http://www.enobooks.de/Aktualitaet/Editorial.htm</link>
    <description>Wir sagen unsere Meinung!</description>
    <language>de-de</language>
    <copyright>ENO Verlag GmbH</copyright>
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      <title>ENO WorldWine - Editorial</title>
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      <title>Unser Editorial zum Thema: Die Zocker unter uns</title>
      <pubDate>Wed, 4 Mar 2009 12:21:05 +0100</pubDate>
      <link>http://www.enobooks.de/Aktualitaet/Editorial.htm</link>
      <description><![CDATA[Es gab einmal eine Zeit, da galten Banker als vernünftige Menschen, da vertraute man ihnen sein Geld an und hoffte, dass sie es redlich vermehrten. Die Zeiten haben sich geändert! Heute schimpfen wir über die Zocker in der Finanzwirtschaft, die dabei sind, unseren hart erarbeiteten Wohlstand in Schutt und Asche zu legen. Wir wundern uns über Unternehmer des zumindest vordergründig bodenständig-schwäbischen Typs, die in der Hoffnung auf vollkommen unwirkliche Renditen Milliarden verspekulierten, und wir regen uns über tumbe Politiker auf, die dem Treiben der Zocker jahrelang zuschauten, ohne mit der Wimper zu zucken, und denen zur Lösung der Krise nur Rezepte einfallen, die unsere lange gereiften Überzeugungen in der Klimafrage oder der Staatsverschuldung mit einem Federstrich außer Kraft setzen.
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Dabei beziehen die meisten von uns - seien wir mal ehrlich! - sogar eine gewisse Befriedigung darin, sich mal so richtig über "die Banker" und "die Politiker" aufregen zu können. Aber natürlich hat dieser durchaus verständliche Reflex auch etwas Verlogenes. Denn die Zocker, die Dummen, die Unverantwortlichen, das sind ja nicht nur die anderen - sie sind mitten unter uns, und die Geschichte des Weinbaus ist voller Belege dafür.
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Weit zurück in der Geschichte brauchen wir gar nicht zu suchen, um diese Belege zu finden. Erinnern wir uns an die Entscheidung der australischen Weinwirtschaft, ihre Aktivitäten in Kontinentaleuropa praktisch stillzulegen und stattdessen verstärkt auf dem amerikanischen und chinesischen Markt zu investieren. Dass diese Entscheidung bereits innerhalb weniger Monate dazu führte, dass das Geschäft der Australier in Deutschland - noch vor kurzem der mengenmäßig fünftwichtigste Markt der Erzeuger von Down Under - um ein Drittel einbrach (s. dazu die Zahlen des drinktank von Kollegen Mario Scheuermann), ist dabei nur eine Seite der vorhergesagten Konsequenzen. Denn obwohl die Konzentration auf den nordamerikanischen Markt noch einigermaßen "vernunftgesteuert" begründet schien, hat die jüngste Entwicklung gezeigt, dass die australischen Geschäfte hier massiv eingebrochen sind.
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Im Falle Chinas ist die Sache potenziell noch dramatischer. Arend Hejibroek, Wein-Analyst der niederländischen Rabobank und weltweit anerkannter Spezialisten in der Materie, hat beim kürzlichen Blogger-Roundtable in Hamburg China (und Indien) als Hochrisikomarkt gekennzeichnet. Das Land weist zwar aufgrund aktueller Konsum- und Lifestyle-Moden große Wachstumsraten im Weinmarkt auf, besitzt aber keine krisen- und zeitgeistsichere Weinkultur. Seine eigenen Marketingaktivitäten in traditionellen, letztlich doch recht soliden Märkten einzustellen und dafür alles auf solche Hochrisikoländer zu setzen - was ist das anderes als sträfliche Zockerei? Wer solche Entscheidungen trifft, der ist im Grunde auch nicht besser als unsere Finanzjongleure und riskiert, seine eigene Zukunft und die seiner Branche zu verspielen.
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Prozesszockerei
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Auch im Deutschen Weinfonds und im Deutschen Weininstitut scheint Lust an der Zockerei Einzug gehalten zu haben. Das lassen jedenfalls die Reaktionen dieser Organisationen auf das CMA-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vermuten, in denen behauptet wird, ein solches Verbot von Zwangsabgaben könne die Weinwirtschaft gar nicht treffen, da diese, wie vom Gericht gefordert, tatsächliche eines besonderen Schutzes bedürfe. Immerhin werde der deutsche Markt zu mehr als 50 % von ausländischen Lieferanten bedient, der Weinbau hierzulande sei deshalb in einer angreifbaren Situation. Einmal abgesehen davon, dass diese Meinung erheblich mit dem kontinuierlichen Triumphgeschrei kontrastiert, mit dem DWI und DWF die Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer wieder bombardiert haben, und in denen immer nur von großen Erfolgen auf dem Binnen- wie den Exportmärkten die Rede war. Das alles soll jetzt plötzlich nur noch Makulatur sein? Ein solches Argument würde aber dann im Prinzip für alle Hersteller von Mikroelektronik, Textilartikeln, Stahl oder Plastikspielzeug - Sektoren, in denen weit mehr als nur die Hälfte des deutschen Markts aus dem Ausland gedeckt wird - gelten.
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Nicht wenige Experten gehen denn auch davon aus, dass Klagen von Winzern gegen diese Zwangsabgabe, die offenbar in Vorbereitung sind - jedenfalls haben uns das verschiedene Winzer signalisiert, die uns in den letzten Tagen und Wochen kontaktierten -, große Chancen auf Erfolg hätten. Die Vogel-Strauß-Politik von DWI und DWF dagegen, die es offenbar auf solche Prozesse ankommen lassen wollen und auf den Fall der Fälle nicht im mindesten vorbereitet scheinen, könnte den Schaden durch ein eventuelles Verbot der Zwangsabgaben auch im Weinsektor erst richtig groß werden lassen.
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Tatsache ist, dass Deutschland keinen instabilen, sondern einen sehr stabilen Binnenmarkt für die eigenen Weine hat. Tatsache ist auch, die deutsche Weinproduktion, selbst wenn man keinen Tropfen exportierte und alles im Lande tränke, nur für zwei Drittel des Weinkonsums hierzulande reichen würde. Anstatt sich auf die durch das Verfassungsgericht geschaffene neue Rechtssituation einzustellen, anstatt an einem "Plan B" zu arbeiten, wie es jeder vorsichtige Stratege machen würde, der um die Schwächen der eigenen Position weiß, scheint man die Gelder seiner Zwangsmitglieder lieber in unsinnigen Prozessen aus dem Fenster werfen zu wollen. Ist das vielleicht keine Zockerei?
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fragt sich Ihr

Eckhard Supp
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