Noch wirkt die Krise aus den achtziger Jahren und das Image des Sherry ist an einem Tiefpunkt angelangt. Das gilt auch für Deutschland, wo der Absatz in den vergangenen acht Jahren um fast die Hälfte zurückging. Von über 20.000 auf rund 10.000 Hektar wurde die Anbaufläche im Verlauf der neunziger Jahre reduziert. Unzählige leer stehende Bodegas sind stumme Zeugen des schwierigen Prozesses. Dabei sind die Probleme hausgemacht, denn die Erzeuger im äußersten Südwesten Spaniens, zwischen Jerez de la Frontera und Sanlúcar de Barrameda, setzten viel zu lange bedingungslos auf Masse statt auf Klasse. Billigware aus dem Supermarkt ist es denn auch, die das Bild der meisten Konsumenten von Sherry prägt. |

Die Krise ist hart, das Image ruiniert, aber immerhin haben fast alle Bodegas die Zeichen der Zeit erkannt und arbeiten an der Verbesserung ihrer Qualitäten. Auch der Consejo Regulador, der Verband der Sherry-Erzeuger, hat die Weichen für eine Imagekorrektur gestellt. So wurde vor zwei Jahren eine neue Kategorie von trockenen Premium-Sherrys offiziell eingeführt, die mindestens 20 Jahre lang reiften und unter der Bezeichnung V.O.S. beziehungsweise V.O.R.S. vermarktet werden: Eine Möglichkeit, die fast alle Erzeuger nutzen, um in Gastronomie und Fachhandel so etwas wie eine Sherry-Renaissance einzuläuten.
Eine leichte Besserung der Lage ist auf dem deutschen Markt bereits zu erkennen. Zwar gehört hier noch immer die Masse des verkauften Sherrys zur halbtrockenen oder süßen Art, der Anteil der trockenen Produkte aber steigt kontinuierlich und liegt inzwischen bei rund 25 Prozent. Auch hat der Sherry-Konsum zuletzt leicht angezogen. Gleichwohl bekommt jeder, der sich derzeit in der Region umhört, bekommt fast überall das gleiche Klagelied zu hören: Sherry sei das erklärungsbedürftigste Produkt der Weinwelt und deshalb nur schwer an den Märkten unterzubringen. In der Tat erschwert die verwirrend große Zahl von Bezeichnungen den Zugang neuer Konsumentenschichten zu diesem faszinierenden Produkt. Doch so vielfältig wie Sherry selbst sind auch die Wege der Bodegas, die Krise der Vergangenheit mit innovativen Ideen zu meistern.
| |||||||||
Die Aufbruchsstimmung ist auch bei Sandeman, einem der größten Produzenten, zu spüren. Sandeman hat einen neuen Besitzer, die portugiesische Sograp-Gruppe (Mateus), und deshalb neue Hoffnung. Bis vor ein paar Monaten gehörte das Unternehmen zum Imperium des kanadischen Seagram-Konzerns. “Dort war man auf den großen Profit aus, den wir aber nicht bieten konnten“, so Export-Manager Ignacio Lopez de Carrizosa . Sandemans Markengeschichte geht zurück bis ins Jahr 1790, als der Schotte George Sandeman mit 300 Pfund in London seinen Portwein- und Sherryhandel gründete. Ab 1928, dem Jahr, in dem George Massiot Brown den “Sandeman Don“, eines der ersten Warenzeichen überhaupt, entwarf, stellte sich auch internationaler Erfolg ein, die Marke Sandeman war geboren.
In Deutschland, wo jetzt Pernod Ricard für den Absatz verantwortlich zeichnet, heißt das, dass man „stärker mit neuen Qualitäten aus dem Premium-Bereich auf Gastronomie und Fachhandel setzen“ will, wie Lopez erläutert. “Dabei stehen wir natürlich dennoch zu unseren Supermarkt-Kunden. Schließlich sind wir eine große Marke, die im Lebensmittelhandel außergewöhnliche Qualitäten zu einem niedrigen Preis anbietet“. [...]
Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment