In den Siebzigern galt das Elsass mit seinen trockenen, sauberen Edelzwickern als Mekka deutscher Weinfreunde, die der damals herrschenden, pappsüßen, klebrig-dicken "Spätlese-Kultur" von Mosel, Nahe, Pfalz und Rheingau überdrüssig waren. Die Einrichtung von Grand-Cru-Lagen bescherte den Elsässer Weinen in den achtziger Jahren einen Prestige-Schub und viel internationale Anerkennung. Diese goldenen Zeiten sind leider vorbei, auch was die Elsässer Exporte nach Deutschland betrifft. |
Zwanzig, fünfundzwanzig Jahre ist es her, als in Deutschland das Wort Wein noch mit „süß, pappsüß, klebrigsüß“ dekliniert wurde, da war ein Elsässer Name der Inbegriff des trockenen, leichten, dennoch aber schmackhaften und hervorragend zum Essen geeigneten Weißens. Edelzwicker hieß der Tropfen, ein Verschnitt aus verschiedenen Rebsorten, dessen Kultstatus heute nur mit dem des Pinot grigio oder des Prosecco vergleichbar ist. Keine „großen“ Gewächse wurden unter diesem Namen nach Deutschland verkauft, eher Alltagsweine. Oft aber waren sie dennoch von tadelloser Qualität und das war letztlich das Geheimnis ihres Erfolgs.

Das Elsass, Alsace für die Franzosen, ist mit nur knapp 14.500 Hektar Rebfläche keine der ganz großen Weinbauregionen Frankreichs, aber diejenige mit dem vielleicht eigenständigsten Charakter. Daran ist nicht nur die geographische Lage am Osthang der Vogesen, im Talbruch des Oberrheins Schuld, die den Weinbergen ein relativ kühles, aber durch die hohen Berge auch vor zuviel Regen und gegen kalte Winde geschütztes Klima garantiert.![]()
Auch der Rebsortenspiegel, der dem deutschen ebenso ähnelt, wie die Struktur der Herkunftsbezeichnungen, in denen diese Rebsorten die Rolle der Protagonisten einnehmen, verhilft der Region zu seiner Sonderstellung. Es reicht, zu erwähnen, dass die Edelsorte Riesling in Frankreich westlich der Vogesen nicht kultiviert werden darf, und dass ein Winzer des Languedoc, der vor einigen Jahren mit der Sorte experimentieren wollte, solchen Ärger mit den Behörden bekam, dass er letztlich verzichtete.
Die jüngere Geschichte des elsässischen Weinbaus ähnelte in den letzten Jahrzehnten einer Fahrt mit der Achterbahn. Steilen Aufstiegen folgten nicht weniger rasante Talfahrten, und das gilt leider nicht nur für ökonomische Aspekte wie den Export der Elsässer Weine ins benachbarte Deutschland, sondern auch für die Weinqualitäten. Die Erfolge der siebziger und achtziger Jahre, den die Weine aus Colmar und Andlau, aus Riquewihr und Guebwiller auf dem deutschen Markt feiern konnten, sind schon lange nur noch Erinnerung.
Das konnte letztlich auch die Einrichtung von Grands Crus nicht verhindern, mit denen das Elsass in den siebziger und achtziger Jahren zunächst großes Renommée erwarb. Grands Crus wurden jene Weinbergslagen genannt - 50 an der Zahl -, auf denen die besten, ausdrucksvollsten und individuellsten Weine aus so genannten noblen Rebsorten wachsen. Als nobel gelten im Elsass Riesling (23 Prozent der Flächen), Gewürztraminer (18 Prozent) und Grauburgunder - auch Tokay Pinot gris genannt (21 Prozent) - und Muskateller, die nicht nur für die besten trockenen Weine, sondern auch für die großen halbtrockenen und süßen Gewächse verantwortlich zeichnen, welche unter den Namen Vendanges tardives (Spätlese) und Sélection de grains nobles (Edelbeerenauslese) firmieren.
Als das Elsass vor gut 25 Jahren damit begann, Weinberge für diese Grand-Cru-Klassifizierung auszuweisen, wurde das Modell weithin beachtet und galt als Vorbild für ähnlich gelagerte deutsche und österreichische Anstrengungen. Die ausgewählten Lagen besaßen nicht nur die besten Böden, auf ihnen herrschten auch ideale klimatische Bedingungen, und viele von ihnen erstreckten sich über Steilhänge mit Süd- oder Südost-Ausrichtung. [...]
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