WorldWine Portrait

März 2003

Der Portwein, der keiner ist

von Erich Grasdorf †

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Das Tal des Douro: Trotz der Terrassierung der bis zu 600 Meter aufragenden Wände eine der wildesten Weinlandschaften der Welt. Im Keller der Quinta da Napòles zieht Dirk van der Niepoort eine Fassprobe, schnüffelt, dreht den Wein im Mund und spuckt ihn auf den mit feinen Kieseln bedeckten Kellerboden. "Etwas viel Tannin. Genau richtig!"
 
 
Dirk Nieport beim Verkosten der Weine seiner
Quinta do Napoles (Fotos: Eckhard Supp)

 

Der Wein ist eine von vielen Partien, aus denen später der Batuta komponiert wird, ein Wein, den die internationale Fachpresse zum besten portugiesischen Rotwein ernannt hat. Niepoort gilt als Meister im Blending, im Verschnitt. Obwohl seine Kellerei, die Niepoort Vinhos SA zu den renommiertesten Portweinhäusern gehört, ist das, was bei seinen Bemühungen herauskommt kein Port.

Tafelweine

Bereits seit 1987 bestimmt Dirk van der Niepoort in der Firma, die er von den Eltern übernommen hat, wo es lang geht: Steil nach oben! Seine Portweine werden schon seit langem mit Höchstnoten bedacht und seine Late Bottled Vintages oder auch die Vintage Port seiner Quinta do Passadouro sind Pflicht für jeden Portweinfreund. Und jetzt? Kein Port mehr?

 
Quinta do Napoles im Herbst

So weit geht Niepoort natürlich nicht, aber neben seinen nach wie vor herausragenden Ports produziert er eben seit einigen Jahren auch weiße und rote Tafelweine, die unter dem Namen Redoma vermarktet werden. Und eben den Batuta!

Natürlich wurden am Douro schon früher Tafelweine gekeltert. Aber die waren aus dem gemacht, was bei der Portweinproduktion übrig blieb und für den Eigengebrauch gedacht. Ansonsten gab es Port und sonst gar nichts. Susana Esteban von der Quinta da Casa Amarela dazu: "Unsere Eltern wären nie auf die Idee gekommen, an diesem Zustand etwas zu ändern."

Uralte Rebsorten

Niepoort selbst begann vor etwa zwölf Jahren mit seinem Redoma und andere Jungwinzer folgten. Sie alle machten Weine eines Typs, den es sonst nirgendwo gibt. Denn auch bei trockenem Ausbau bleibt im Abgang immer der typische Geschmack der klassischen Portweintrauben spürbar. Das sind über zwanzig, zum Teil uralte Sorten, von denen seit jeher immer mehrere zusammen im gleichen Weinberg stehen.

Das ergibt Mischungen, die für absolute geschmackliche Eigenständigkeit nicht nur der Portweine, sondern auch der trockenen Tafelweine sorgen. Gerade die unterschiedliche Sortenzusammensetzung in den verschiedenen Lagen bewirken dabei, dass sich die trockenen Douroweine bei gleich bleibendem Grundcharakter deutlich voneinander unterscheiden. Niepoort verzichtet beispielsweise bei seinem Redoma ganz auf die Malvasia Fina, andere setzen sie bewusst ein.

Verschiedene Weintypen

Dasselbe gilt für Dichte und Kraft der Weine: Während der Três Bagos von João Brito mittlere Konzentration erinnern andere Weine schon von der Farbe her an australischen Shiraz. João Roseira von der Quinta do Infantado meint dazu: "Jeder macht das Beste aus dem, was er hat. Jeder will zeigen, dass hinter der Portweinsüße ein großer Wein steckt."


Charakteristische Häuserzeilen am Douroufer in Porto.

Eigentlich machen die Jungen ja nichts anderes als ihre Vorvorfahren, bevor die Engländer den Wein vom Douro entdeckten und ihn mit zugesetztem Alkohol seetüchtig und transportfähig machten. Klar ist, dass hinter der neuen Bewegung auch ökonomische Überlegungen stecken. Tafelwein kann schneller auf den Markt gebracht werden als Port, bindet weniger Kapital.

Doch Dirk Niepoort lässt auch seinem Batuta Zeit. Kürzlich erst kam er mit dem Jahrgang 1999 auf den Markt. Gerade 3.000 Flaschen, die er en bloc hätte verkaufen können. Aber Niepoort entschied sich für die Feinverteilung in mehrere Länder.

Die Chance, eine der kostbaren Flaschen zu ergattern? Fehlanzeige!

So haben wir die Weine Niepoorts verkostet:

***** Porto, Vintage 1997: leuchtendes Rubin, schwarzes Herz, sehr saubere, tiefgründige Aromen, reife und feinziselierte Tannine, Alkohol noch aggressiv, enorme Länge im Abgang

***** Porto, Vintage 1992 Jubilee: dickes Farbpaket, etwas verschlossene Nase, Riesen Frucht und Tanninpaket

***** Porto, Colheita 1950: sehr lebendige, dichte Farbe, Karamell, Kastanien, Beeren, Bananen, weich und harmonisch in Nase und am Gaumen, sehr langer Abgang, noch ungemein frisch im Mund, großer Portwein

***** Porto, Quinta do Passadouro Vintage 1997: dickes, marmeladige Rubin, tiefe Aromen mit viel Schokolade und Gewürzen, große Frucht am Gaumen

***** Douro, Battuta 1999: (Fass) dickes Rubin, sehr tiefe, feine Nase, Eleganz in der Struktur, Länge, sehr guter Wein

**** Porto, 20 y o Tawny: helles Braun, sehr elegante Nase, weiche und warme Aromen, tolle Expansion am Gaumen ,sehr langer Abgang

**** Douro, Redoma Vinho Branco 1999: dichtes Gelb, vegetal-würzige Aromen, Zitrusfrucht, saftig und kräftig am Gaumen, süßer Abgang, sehr schöner Wein.

Aus unserer Weingutsdatenbank

Willi & Christoph Schaefer
Willi & Christoph Schaefer

@@@ Weingut Willi Schaefer - Mosel (Deutschland)
Hauptstrasse 130 - 54470 Graach
Tel: 06531-8041, Fax: 06531-1414, E-Mail: weingut-willi-schaefer@t-online.de
Besitzer: Christoph & Willi Schaefer
Weinbergslagen: Graacher Himmelreich, Graacher Domprobst
Rebsorten: Riesling
jährliche Flaschenfüllung: 32.000
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Das Weingut Willi Schaefer besteht seit 1590 und bewirtschaftet 4 ha in steilen Schieferhängen (bis zu 70 % Hangneigung). Die Weinberge sind zu 100 % mit Riesling bepflanzt und sind bis zu 80 Jahre alt. In unserm Keller lagern Weine ab 1921, da sie ein grosses Alterungspotenzial haben.

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