WorldWine Portrait

September 2002

Ästhet mit Mantra

von Erich Grasdorf †

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In Hermanus an der südafrikanischen Walker Bay ist ausser zur Badesaison und im September, wenn die Wale in der Bucht große Bögen pusten, nicht viel los. Kurz vor der westlichen Ortseinfahrt des verschlafenen Städtchens biegt eine Schotterstraße ins baumbestandene Hemel-en-Aarde Valley ab, das Himmel-und-Erde Tal. Hier liegt das Weingut von Anthony Hamilton Russel, des Ästheten unter den südafrikanischen Weinmachern, der sich vor allem mit Chardonnay und dem diffizilen Pinot noir einen Namen gemacht hat.
 
 

 

Warum das Hemel-en-Aarde-Tal seinen Namen trägt, ist vorderhand nicht ersichtlich, wenn man von dem malerischen Wine-Village am Anfang des Tals den Weg in Richtung des Weinguts einschlägt. Später erst, bei der Wanderung durch die Hamilton Russel'schen Weinberge, wenn man die Rebgärten hinter sich gelassen hat, und es durch blühendes Buschwerk weitergeht, steht man unverhofft vor einem Abgrund: 260 Meter weiter unten tobt die Brandung des Indischen Ozeans. Hier hat man tatsächlich das Gefühl, zwischen Himmel und Erde zu schweben.

Die Klippen steigen an dieser Stelle fast senkrecht aus dem Meer. Zu den Zeiten, als noch Ostindienfahrer das Kap der Guten Hoffnung umsegelten, meißelte dort ein portugiesischer Seemann das Wappen seiner Flotte in den Felsen. Was er dort oben suchte - ob sein Schiff gestrandet war, oder ob er nur in der Bucht ankerte, um Frischwasser zu fassen, weiß heute niemand mehr. Auch er aber wird kaum die steile Wand durchstiegen haben und durch die Hintertür, das Himmel-und-Erde-Tal heraufgekommen sein, vermutet zumindest der Hausherr in Hemel-en-Aarde, Anthony Hamilton Russel.


Himmel-und-Erde heißt das wunderschöne, baumbestandene Tal an der Walker Bay, in dem das Weingut der Hamilton Russels liegt. Im Einflussbereich des kühlen Indischen Ozeans wachsen feine Rote und Weiße aus Pinot noir und Chardonnay. (alle Fotos: E. Supp)

Hamilton Russel ist groß gewachsen, schlank und so gekleidet, wie man sich einen englischen Landedelmann vorstellt. Tweedjacke, Ledergilet und frisch gebügelte Khakihosen sind äußere Zeichen seiner Einstellung und in der Schar der zumeist recht hemdsärmeligen südafrikanischen Weinmacher fällt er als einer auf, der über den Tellerrand hinaus geblickt hat. 1962 in Johannesburg geboren, ist Hamilton Russel in Kapstadt zur Schule gegangen und hat an der Universität von Witwatersrand seinen Bachelor of Science gemacht. Danach zog es ihn für sechs Jahre ins Ausland. In Oxford studierte er Geographie und an der University of Pennsylvania strategisches Management und Marketing. Zwischendurch arbeitete er als Management Consultant und Finanzanalyst bei Morgan Stanley in London.

Mitteleuropäisches Klima

1991 stieg Anthony als Geschäftsführer ins väterliche Weingut ein und übernahm es drei Jahre später ganz. Der streitbare Vater hatte die Weinberge bereits zehn Jahre zuvor gegen den energischen Widerstand der Behörden in dieser südlichsten und damit auch kühlsten Gegend Südafrikas angelegt. Dass er hier die Starsorten des Burgund, Pinot noir und Chardonnay auspflanzte, war Programm und reflektierte die Wahl dieses typischen cool-climate-Gebietes. Hier gibt es keinen Pinotage oder Cabernet, keinen Chenin blanc oder Colombard, die den Sortenspiegel in den anderen Teilen der Kapregion beherrschen. Nur etwas Sauvignon blanc für den heimatlichen Markt wird kultiviert. [...]

Aus unserer Weingutsdatenbank

Ilse Maier
Ilse Maier

@@@ Weingut Geyerhof - Kremstal (Österreich)
Oberfucha 1 - 3511 Furth
Tel: 02739-2259, Fax: 02739-22594, E-Mail: weingut@geyerhof.at, Homepage: www.geyerhof.at
Besitzer: Ilse und Josef Maier
Weinbergslagen: Rosensteig, Hoher Rain, Steinleithn, Gaisberg, Sprinzenberg, Kirchensteig, Johannisberg, Goldberg, Richtern
Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling, Weißburgunder, Gelber Muskateller, Zweigelt, Merlot
jährliche Flaschenfüllung: 80.000
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Ca. 19 ha Weingärten in den besten Lagen des niederösterreichischen Weinbaugebietes Kremstal sind die Heimat der Weine vom Geyerhof. Der Hof ist seit dem 16. Jahrhundert im Familienbesitz und wurde1986 von Ilse Maier übernommen. Heute werden die Weine vom Geyerhof zu drei Vierteln exportiert und erfahren national als auch international große Anerkennung. Stuard Pigott (Wein spricht Deutsch): "Der Grüne Veltliner Steinleithn gehört zur ersten Liga der niederösterreichischen Grünen Veltliner, die Rieslinge sind ähnlich beeindruckend, Riesling Goldberg 2005 – noch ein märchenhafter Wachauer Weingigant." Gault Millau 2008: "Das Ergebnis dieses Jahrganges war überwältigend." A LA CARTE: "Mit der Steinleithn hat sich die sympathische Bio-Winzerin Ilse Maier endgültig in der Liga der Topwinzer etabliert."
Seit 1988 arbeiten Ilse und Josef Maier am Geyerhof nach den Grundsätzen des organisch-biologischen Landbaues. Jahre, in denen beträchtliches Wissen durch jährlich neue Herausforderungen gewachsen ist, stets mit der Gewissheit, den richtigen Weg zu gehen. Auch die angrenzenden Felder werden von der Familie aus Überzeugung nach demselben Prinzip bewirtschaftet. So kann der Wein vom Geyerhof in einer idealen Umwelt aufwachsen - für den vollen Genuss.
Altbewährtes pflegen, Neuerungen annehmen – unter diesem Motto wird am Geyerhof stetig daran gearbeitet, die Entstehungsbedingungen für den Wein zu verbessern. Der Keller ist nach einer neuerlichen Umgestaltung 2007 modern ausgerüstet. Der Hof wurde gefühlvoll restauriert. Am Geyerhof bestimmt der Wein das Leben. Und Lebensfreude das Tun.

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