Frankreich glaubt nicht mehr an seinen Weinbau. Das wäre jedenfalls eine mögliche Schlussfolgerung, die man aus der aktuellen Entwicklung der Weinbergspreise ziehen könnte. Als Folge der aktuellen Krise versuchen mehr und mehr Weinbergsbesitzer ihren Boden zu verkaufen, stoßen dabei aber auf einen praktisch nicht mehr existenten Markt. Das gilt auch im Bordeauxgebiet, wo den wenigen Erzeugern, die für ihre Kultweine Phantasiepreise erzielen immer mehr Weingüter gegenüberstehen, die nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.
Zwar wird der Hektar Rebfläche im den Renommierappellationen des Médoc noch für ca. 1 Mio Euro verkauft, aber schon im Sauternais haben die Preise in letzter Zeit um 17 % nachgegeben. Da mutet es fast paradox an, wenn man liest, dass die Gemeinde Libourne im Bordeauxgebiet kürzlich ihre historische Pferderennbahn von Pomerol an eine Gruppe von Erzeugern verkauft hat. Insgesamt knapp 500 ha wurden für ca. 1,2 Mio EUR / ha an die Versicherungsgruppe Sogecap Eignerin von Chateau Mazeyres, sowie eine Gruppe von 5 weiteren Châteaubesitzern abgegeben und die neuen Flächen sollen in Kürze schon in Produktion gehen.
Im Schnitt kostet ein Hektar entwickelter Rebfläche in Frankreich etwas mehr als 95.000 EUR, aber die Unterschiede sind enorm. In der Champagne erreichen die Preise knapp 870.000 EUR, im Languedoc dagegen nur 11.200 EUR.
Auch in Neuseeland scheinen die Schwierigkeiten im Weinsektor (wir berichteten...) auf die Bodenpreise durchzuschlagen. In den letzten vier Jahren sind die Hektarpreise um bis zu 60 % gesunken, wie decanter.com berichtet, und einige Weingüter werden jetzt bereits seit Jahren angeboten, ohne einen Käufer zu finden. Im Gebiet von Marlborough sollen voll entwickelte Weinberge nur noch wenig mehr als 60.000 NZ$ kosten, was bei den üblichen Entwicklungskosten in dieser Höhe für Rebanlagen bedeutet, dass das Land unter den Stöcken praktisch gratis abgegeben wird.
Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment