WorldWine Blog

16. Juni 2011

"Wissenschaft" und Wein: Einfach mal Klappe halten!

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von Eckhard Supp - Kürzlich habe ich in diesem Blog den Verdacht geäußert, britische Wissenschaftler seien nur bedingt Ernst zu nehmen, wenn sie sich mit alkoholischen Getränken beschäftigen. Die jüngste Pressemitteilung der französischen Sopexa lässt mich allerdings vermuten, dass auch die Wissenschaftler anderer Länder gerne mal etwas zu tief ins Glas blicken, wenn es ums Thema Wein geht. "Sind Frauen die besseren Weinkenner?" war die Pressemitteilung überschrieben, und es fiel mir nicht allzu schwer, die "richtige" Antwort auf diese Frage zu erraten. So heißt es in dem Text denn auch - Überraschung, Überraschung! - ganz konsequent: "Wein galt lange Zeit als Männerdomäne. Doch die Frauen holen auf: Immerhin 65 Prozent der deutschen Weintrinkerinnen geben an, sich mit Wein genauso gut auszukennen wie Männer."

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin absolut der Meinung, dass Frauen beim Wein mindestens genauso viel Sachverstand zeigen wie Männer. Das gilt beim Weinmachen - einige meiner absoluten Lieblingsweine stammen von Frauen, und nicht zuletzt wird, wie wir kürzlich berichteten konnten, inzwischen auch der berühmteste Wein Italiens, der Sassicaia, von einer Frau gemacht - genauso wie beim Weinservice, beim Weinverkosten etc. etc. etc. Ich bin beispielsweise überzeugt, dass es in Deutschland nur wenige Männer gibt, die in Sachen Weinkompetenz einer Paula Bosch das Wasser reichen können.

Aber was uns die Vinexpo hier als "internationale Studie" verkauft, ist schlichtweg eine Verar... des Publikums. "Sind Frauen die besseren Weinkenner", lautet die Frage, und um sie zu beantworten, werden Frauen gefragt, ob sie sich für kompetent halten oder nicht. Da lachen nicht mal mehr die Hühner! Sollten wir dann, um die Frage zu untersuchen, ob Männer die besseren Autofahrer sind, auch Männer befragen, was sie selbst von ihren Autofahrkünsten halten? Ich glaube, auch in diesem Fall gibt es kaum Zweifel über den Ausgang einer entsprechenden "Studie".

Allenfalls - und das wäre ja auch schon was, obwohl es sich vielleicht nicht für eine vollmundige Pressemitteilung eignen würde - könnte man aus der Frage und den Antworten schlussfolgern, dass das Selbstbewusstsein von Frauen in den letzten Jahren gestiegen ist. Sonst aber auch nichts, absolut nichts.

Dabei gibt die Studie durchaus Interessantes her, wobei ich allerdings nicht mal sicher bin, ob das in jedem Fall wirklich frauenspezifisch ist, oder ob es für Frauen wie Männer gleichermaßen gilt. So achten deutsche Weintrinkerinnen (auch die Männer?) angeblich beim Weinkauf vor allem auf die Herkunft, dann auf die Rebsorte und zu guter Letzt auf den Preis - sagen sie zumindest, ob es stimmt, sei dahingestellt -, während Engländerinnen vor allem auf den Preis, Amerikanerinnen zuerst auf die Rebsorte schauen.

Interessant auch, dass sich Weintrinkerinnen (auch die Männer?) meist vom Weinhändler, von Angehörigen oder Freunden beraten lassen, während das Internet nur für 13 Prozent von ihnen eine relevante Informationsquelle darstellt.

Hier, und nur hier hätte sich ein interessanter Ansatz für eine solche Studie geboten: Informieren sich Männer häufiger im Internet, ist für sie der Preis vielleicht wichtiger als die Herkunft? Aber genau dort, wo die Studie wirklich interessant hätte werden können, schweigt sie sich aus. Deshalb bleibt uns nur, den so genannten Forschern und ihren Auftraggebern den Rat zu geben: "Einfach mal Klappe halten!"



Kommentare

So ein Bullshit! Egal, ob

So ein Bullshit! Egal, ob Mann oder Frau... . Du musst drive und passion für Wein haben! Diese veraltete Zielgruppendenke ist der letzte Schwachsinn!!

Hendrik, es gibt immer noch

Hendrik, es gibt immer noch Leute, die diesen Bullshit für bare Münze nehmen. S. hier: http://www.nikos-weinwelten.de/home/beitrag/archive/2011/june/16/frauen_...

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