Von Eckhard Supp - Nein, mit diesen Weinen hatte ich wirklich nicht gerechnet. Auf Einladung des Fränkischen Weinbauverbands kam ich vor zwei Tagen im kleinen, romantischen Frickenhausen an, wo mich zu meiner großen Überraschung in burgähnlichem, altem Gemäuer ein wunderschönes und modernes Hotel mit angeschlossenem Weingut - oder ist es doch ein Weingut mit angeschlossenem Hotel? - erwartete.
Trotz des herrlichen Herbstwetters musste ich mich dann zwei Tage im Probenraum des Weinguts einschließen. Schließlich warteten gut 200 Weine auf mich, die der Weinbauverband auf meine Bitte hin bei den Winzern angefordert hatte. Und wenn das Hotel mit seinen großen Zimmern, modernen Bädern und fantastischer Lage schon eine Überraschung war, dann waren es diese Weine noch viel mehr. Vorbei die Zeiten dünner, müder, plumper Silvaner. Keine Spur mehr von Rieslingen, denen man die Rebsorte nur auf dem Etikett ansah. Statt dessen hatte ich blitzsaubere, moderne, dichte, geschmacksintensive und auch alterungsfähige Weiße vor mir. Bei den Roten war das Bild deutlich schwächer, aber das ist bei einem ausgesprochenen Weißweingebiet auch nicht wirklich verwunderlich.

Meinen Appetit hatte schon eine kleine Verkostung geweckt, die die Franken im Juni in Hamburg organisierten, und bei der vor allem 2008er Würzburger Stein Silvaner Großes Gewächs vom Juliusspital überragte, gefolgt von einer Trockenbeerenauslese von Graf Schönborn und einem Riesling aus dem Escherndorfer Lump von Horst Sauer.
Trotz dieser "Vorwarnung" verschlug mir die Klasse der in Frickenhausen angestellten Weine - bei den Weißen fast ausschließlich aus dem tollen Jahrgang 2009, von dem Weinbaupräsident Artur Steinmann mir vorschwärmte, so etwas seit 50 Jahren nicht gesehen zu haben - erst einmal die Sprache.
Wie zu erwarten, überzeugten in der Blindprobe vor allem die Silvaner - allesamt trockene QbA, Kabinette und Spätlesen - die sieben der acht ersten Plätze der Degustation belegten, nur knapp von einer Riesling Beerenauslese aus dem - schon wieder! - Juliusspital geschlagen.
Aber auch bei den trockenen Rieslingen ein unerwartet kompaktes und gleichmäßiges Ergebnis, wobei mich persönlich wiederum überraschte, dass drei weiße Burgunder noch besser abschnitten als die Weine der deutschen Edelsorte. Vielleicht ist Franken ja auch ein tolles Terroir für die weißen Pinots? Mehr Chancen als mit ihren Scheureben, Kernern, Rieslanern oder Traminern hätten die Franken damit zumindest auf den Märkten außerhalb der Region und außerhalb Deutschlands allemal.
Dass die Franken nach ihrer katastrophalen Absatzkrise 2001 (s. hier ...) wieder auf dem richtigen Weg sind, ist unbestreitbar. Und so ist auch die Marketingkampagne, die sie in Richtung Norddeutschland und nordischer Länder gestartet haben, nur konsequent. Dass dabei immer noch viel zu tun ist, wissen auch die Verantwortlichen der Region. ENO WorldWine wird sich demnächst in einer "Analyse" detaillierter mit dem "Frankenland" auseinandersetzen, und den großen Verkostungsreport mit voraussichtlich fast 300 Degustationsnotizen gibt es schon in weniger als 10 Tagen, wenn alles gut geht.
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