WorldWine Blog

25. Juni 2009

Griechenland, die unentdeckte Schöne – Ein Marketingdesaster?

Von Eckhard Supp – Auf Initiative von Mario Scheuermann fand heute nachmittag ein interessantes Treffen im Hamburger Restaurant Tschebull statt, bei dem es um griechische Weine ging. Eingeladen waren Markus Stolz, ein in Athen lebender Deutscher, der als Agent für griechische Weine mit Spezialisierung auf jungen, dynamischen Weingütern fungiert, und Christos Kokkalis, ein Winzer vom westlichen Peloponnes mit zweiter Heimat im linksrheinischen Mönchengladbach.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass überhaupt einmal jemand ohne Unterstützung des offiziellen griechischen Weinmarketings einer solchen Einladung gefolgt ist. Christos Kokkalis meinte denn auch, man solle sich keine allzu großen Hoffnungen machen, andere Erzeuger zu solchen Präsentationen nach Deutschland holen zu können. Da sei ja nicht nur das Hindernis der Sprache – selbst auf griechischen Weinen, die nach Deutschland importiert werden, herrscht ein hoffnungsloses Durcheinander griechischer, französischer oder englischer Bezeichnungen, die nicht einmal Weinfachleute verstehen, von Endverbrauchern ganz zu schweigen. Es sei auch eine generelle Unbeweglichkeit, Bequemlichkeit, ein enormes Desinteresse, sich aktiv im Auslandsmarketing einzubringen, zu konstatieren.

Dem konnten die anwesenden deutschen Journalisten leider nur zustimmen. Wenn das offizielle griechische Weinmarketing nicht einmal die Höflichkeit aufbringt, auf Anfragen zu antworten, von aktiver Informationspolitik ganz zu schweigen, wenn die Erzeuger sich damit begnügen, dem einen oder anderen großen Importeur einige Paletten zu verkaufen, ohne sich groß zu kümmern, ob die Weine anschließend auch dort präsent sind, wo man Imagegewinne erzeugen kann – im Fachhandel und der gehobenen (nichtgriechischen) Gastronomie – dann muss man sich vielleicht nicht wundern, wenn der Import griechischer Weine hierzulande immer dürftiger ausfällt, wenn von Qualitätsimage keine Rede sein kann, obwohl es in Griechenland natürlich hochwertige Weine gibt.

Die Weine, die Stolz und Kokkalis präsentierten, stellten dann die Qualität der griechischen Produktion auch durchaus unter Beweis. Da waren sehr authentische, charaktervolle Weißweine von Santorini (Sigalas), die mit ihren leicht vegetal-oxidativen Aromen und ihrer großen Kraft und Saftigkeit überzeugten, aber auch gute Rotweine aus Nemea und Naoussa bzw. den benachbarten Landweinappellationen. Von diesen Roten gefielen besonders der (OPAP) Nemea Ammos 06 Reserve des Palivou Estate, der Nemea 06 Reserve on Driopi, der sehr international wirkende Trifolos-Landwein Ghi Ke Uranos (06), der Achaia-Landwein Taos (04) von Parparoussis und, last but not least, der sehr eigenwillige Ilia-Landwein Trilogia (06) von Kokkalis, ein (fast) reinsortiger Cabernet Sauvignon mit Aromen, die an Pinot und Tanninen, die an Tannat erinnerten.

Vielleicht schaffen wir es ja mit der Hilfe von Markus Stolz in der nahen Zukunft einmal, für ENO WorldWine eine größere Griechenlandverkostung zu organisieren. Die Weine, die wir heute verkosten konnten, würden es auf jeden Fall verdienen.


Leider ist Hern Supps Beitrag

Leider ist Hern Supps Beitrag nur zu wahr: Die Griechen betreuen ihr Produkt Wein noch schlechter als mancher Rübenbauer hierzulande. Etliche Winzer sind mittlerweile zwar auf die Exportchancen Bio und autochtone Rebsorten aufgesprungen – angelangt ist die Botschaft bislang weder iun der gehobenne Gastronomie noch in den privaten Weinkellern. Griechische Weinverkostungen haben den linkischen Charme einer bulgarischen Traktorenmesse, für eine breiter angelegte PR-Kampagne in Europa ist offensichtlich kein Geld da. Schade, denn die Weine Hellas haben Biss und Charakter – verdient hätten sie mehr Aufmerksamkeit.

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