WorldWine Blog

01. September 2003

Elsass von gestern?

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Schwere, alkoholische Weißweine sind immer weniger gefragt. Nur im Elsass halten die Winzer - zumindest bei den Gewächsen aus Top-Lagen - unbeirrt an der Modeerscheinung der frühen neunziger Jahre fest. Und das, obwohl die Exporte nach Deutschland - auf Grund der geografischen Nähe traditionell einer der wichtigsten Märkte - seit Jahren kontinuierlich zurückgehen.
Schuld an diesen Export-Einbrüchen ist zwar nein numerisch gesehen der Edelzwicker, aber auch bei den anderen Weinen der Region herrscht Stagnation. Weine aus dem Elsass haben hier zu Lande ein altmodisches Image und sind in der Regel teuer.

Da hilft es relativ wenig, wenn der Weinbauverband der Region, der Conseil Interprofessionnel des Vins d'Alsace seit einiger Zeit versucht, die mineralisch geprägten und wuchtigen Tropfen als ideale Begleiter zur fernöstlichen Küche anzupreisen. Serge Dubs, der preisgekrönte Sommelier des Drei-Sterne-Restaurants Auberge de l'Ill in Illhäusern, sprach kürzlich bei einer Grand-Cru-Verkostung in München höchstpersönlich von “barocken Weintypen", die das Elsass charakterisierten. Daran, so Dubs, solle sich auch in Zukunft nichts ändern.

Vergleich mit Bordeaux und Burgund

Statt auf die Entwicklung modernerer, zeitgemäßerer Weine setzen die Elsässer offenbar auf eine andere Strategie der Vermarktung: den direkten Vergleich mit den Gewächsen von Médoc und Côte de Beaune. “In Bordeaux und Burgund hat niemand Probleme damit, die Alterungsfähigkeit der Weine zu akzeptieren. Im Fall der Elsässer tut man sich damit aber schwer", beklagt Dubs, der seit drei Jahren in deutschen Landen die Werbetrommel für die Tropfen aus seiner Heimat rührt.

Der Hintergrund dieser Aussage ist klar: Bei einer kürzlich in München organisierten Verkostung zeigte sich, dass Weine der Jahrgänge 1999 bis 2001 - so der Riesling Grand Cru Mandelberg von Edgard Schaller oder der Riesling Grand Cru Schlossberg von Colette Faller - durchweg verschlossen wirkten. Mit ihrem hohen Alkoholgehalt (selbst 14 vol. % sind keine Seltenheit) und dem meist recht üppigen Restzucker brauchen ein paar Jahre, bevor sie sich entfalten und öffnen - unter der Leider aber wird häufig versucht, mit hohen Alkoholgraden die Weine besser wirken zu lassen, als sie es von ihrer Substanz her sind.

Erklärungsbedürftige Weine

Gleichwohl appelliert Serge Dubs an Deutschlands Fachhändler, sich davon nicht schrecken zu lassen und ihre Kunden von einer Investition für die Zukunft zu überzeugen. “Man muss den Leuten erklären, dass sie ihren Weißwein aus dem Elsass fünf bis zehn Jahre im Keller lagern sollen", so Dubs. Dies sei zwar nicht einfach, aber bei Bordeaux oder Burgund klappe es schließlich auch, meinte er. Dass sich die Winzer zwischen Straßburg und Colmar in einer Reihe mit den Kollegen aus dem Burgund sehen, kommt nicht von ungefähr. Wenn Wein-Guru Robert Parker in seinem "Wine Advocate" nur zwei Burgunder, dafür aber fünf Elsässer mit Höchstnoten bedenkt (wir berichteten in den EWW-News), dann kann dies den Blick für die Realitäten natürlich trüben.

Dass es auch anders geht, dass also ein Grand Cru d¹Alsace schon in jungen Jahren ein Vergnügen bereiten und obendrein noch geschliffene Eleganz sowie frische Fruchtigkeit aufweisen kann, wurde in München erfreulicherweise auch gezeigt. Und zwar von Albert Hertz mit einem Riesling 1999 Grand Cru Pfersigberg sowie von Marcel und José Ebelmann mit einem Gewürztraminer 2001 Grand Cru Zinnkoepfle. Wenn es von solchen Weinen mehr im Elsass gäbe, dann bräuchte auch niemand mehr neidisch nach Burgund oder Bordeaux zu blicken.



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