WorldWine Blog

23. MĂ€rz 2010

Dunkle Wolken ĂŒber der Weinbranche – Ein Rundumschlag von der ProWein

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Von Eckhard Supp - Nein, ich möchte mich hier nicht noch einmal ĂŒber den Niedergang der Weinmedien auslassen, da ich glaube, dass zu diesem Thema genug gesagt ist. Wenigstens nicht ausfĂŒhrlich und nicht vorrangig! Und das, obwohl mir das – im Übrigen sehr nette und gute – Abendessen, zu dem die Mannschaft der österreichischen Zeitschrift “Falstaff” am Sonntagabend anlĂ€sslich des geplanten Einstiegs in den deutschen Markt – mit eigener Redaktion und eigenen Inhalten – noch einmal deutlich vor Augen gefĂŒhrt hat, dass in der Wein- und Gourmetpublizistik im Moment sehr viele Protagonisten schlichtweg im TrĂŒben fischen. Dass von wirklichen Marketingstrategien oder auch nur prĂ€zisen Vorstellungen, was man denn anders zu machen gedenke als die (zum Teil gescheiterte) Konkurrenz, keine Rede sein kann.

Nein, diese ProWein war in ganz andere Hinsicht aufschlussreich, und lehrte mich letztendlich, dass die derzeitige Krise – ich rede hier nicht von der Finanzkrise der vergangenen zwei Jahre, sondern von der, die latent bereits seit dem Jahrtausendwechsel schwelt, nicht nur eine Krise der Weinmedien, sondern eine der Weinbranche ganz generell ist.

Ein ausgedehnter Besuch bei alten Freunden in Halle 3, ein halbes Dutzend intensiver, ehrlicher GesprĂ€che mit italienischen Ausstellern, und ich verstand plötzlich nicht nur deren miese Stimmung, sondern begann, mit weit ĂŒber die italienischen Probleme hinaus Gedanken zu machen. Ein paar Fakten, wie man sie an allen Ecken und Enden hören konnte, waren der Ausgangspunkt: Der Literpreis von Chianti Classico liegt derzeit, wie schon auf ENO WorldWine kĂŒrzlich berichtet, bei einem Euro, auch wenn mancher Optimist von 1,50 EUR, die ganz Mutigen sogar von 1,80 EUR sprechen. Der fĂŒr “normalen” Chianti liegt bei 0,60 bis 0,70 EUR, der fĂŒr Brunello, jawohl, fĂŒr den Mythos Brunello, bei 2,50 EUR. Im Piemont kostet der Liter Barolo, dessen Preis noch vor zwei Jahren bei 8 – 9 EUR lag, im Fass nur noch 2,80 – 3,50 EUR, ein schwedischer EinkĂ€ufer berichtete, man habe ihm auf die Flasche gefĂŒllten (!) Barbaresco fĂŒr 4,50 die Flasche angeboten.

Die eine oder andere Appellation wirkt in diesem Szenario – ungeachtet all der offiziellen Jubelzahlen, die gerade wieder vom Italienischen Außenhandelsinstitut veröffentlicht wurden – wie ein wandelnder Leichnahm: klinisch schon tot, ohne dass die Betroffenen es wahrhaben wollen. Wer weiß, das beispielsweise Brunello in den letzten Jahren fast nur in den USA ohne Probleme zu den geforderten hohen Preisen abgesetzt werden konnte, dass aber genau dieser Markt seit einem Jahr keine Flasche ĂŒber 10 Dollar mehr einkauft, wer gleichzeitig weiß, wie problematisch – in qualitativer Hinsicht – die beiden aktuell angebotenen JahrgĂ€nge 2004 und 2005 sind, der kann auch aus der Distanz abschĂ€tzen, wie viel Leben noch in dieser Appellation steckt: Wenig bis gar keines!

Aus unserer Weingutsdatenbank

Erich & Walter Polz
Erich & Walter Polz

@@ Weingut Erich & Walter Polz - SĂŒdsteiermark (Österreich)
Graßnitzberg 54a - 8471 Spielfeld
Tel: 03453-2301, Fax: 03453-23016, E-Mail: weingut@polz.co.at, Homepage: www.polz.co.at
Besitzer: Erich & Walter Polz
Weinbergslagen: Hochgrassnitzberg, Obegg, Theresienhöhe, Grassnitzberg
Rebsorten: Welschriesling, Weißburgunder, Morillon, Sauvignon blanc, Gelber Muskateller, Grauburgunder, Traminer, Zweigelt, BlaufrĂ€nkisch, Cabernet Sauvignon, SpĂ€tburgunder
Weinnamen: Große Lage, Erste Lage
jährliche Flaschenfüllung: 700.000
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"Sehr gut bleibt, was immer besser wird!" Dieser Leitsatz der BrĂŒder Erich und Walter Polz gilt als höchste Maxime des seit 1912 bestehenden Weinguts. Mit zahlreichen Auszeichnungen und Spitzenbewertungen zĂ€hlt Polz heute zu den fĂŒhrenden WeingĂŒtern in Österreich. Ende der 1980er Jahre ĂŒbernahmen sie das Weingut ihrer Eltern und entwickelten es im Laufe der Zeit zu einer GrĂ¶ĂŸe von 70 Hektar. Mit dem Grassnitzberg und den spĂ€ter erworbenen WeingĂ€rten am Hochgrassnitzberg, am Obegg (beides Große Lagen nach STK-Definition) und an der Theresienhöhe bewirtschaften sie heute einige der vorzĂŒglichsten Lagen der Steiermark.
Die Rieden sind zum sehr ĂŒberwiegenden Teil mit den regionaltypischen Rebsorten Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller, Welschriesling und Morillon bestockt, SpezialitĂ€ten wie Traminer, Pinot Noir oder Zweigelt sowie finessenreiche CuvĂ©es komplettieren das Sortiment. Der Ausbau der Weine erfolgt differenziert, wobei die Linie "Steirische Klassik" mit besonderem Augenmerk auf Fruchtigkeit, Frische und strahlende SortentypizitĂ€t im Edelstahl ausgebaut wird. Die Lagenweine gelangen je nach Charakter und Potenzial des Jahrgangs in großen oder kleinen EichenfĂ€ssern zur Reife.

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Vor allem kleineren Betrieben, die wĂ€hrend des Höhenflugs der letzten Jahre geglaubt hatten, Millionen in Kellerneubauten investieren und sich dafĂŒr massiv verschulden zu mĂŒssen, steht das Wasser bis zum Hals. Das betrifft nicht nur Chianti und Barolo, sondern auch und vor allem die peripheren Gebiete, in denen in den letzten zehn Jahren gigantische Summen investiert wurden: Maremma toscana, Apulien, Sizilien und wie sie alle heißen. Im Piemont ist der eine oder andere Winzer derzeit froh, wenn er ĂŒberhaupt ohne Neuverschuldung ĂŒber die Runden kommt, und von einem oder zwei Kellerneubauten sehr renommierter Namen wird gemunkelt, dass sie im letzten Jahr von potenteren Kollegen aufgekauft werden mussten.

Drohender Skandal

In dieses Szenario droht, wie könnte es in Italien anders sein, der nĂ€chste Skandal zu platzen. Mit unĂŒbersehbaren Sorgenfalten warten derzeit nicht nur die Toskaner auf den Beginn der kommenden Vinitaly, fĂŒr den man die Veröffentlichung einer Untersuchung der Staatsanwaltschaft befĂŒrchtet, die sich gegen einer der renommiertesten (toskanischen) Önologen und dessen Rattenschwanz von “beratenen” WeingĂŒtern richtet. Der gute Mann soll sich, einer Reihe von Quellen zufolge, von der Finanzpolizeit dabei haben erwischen lassen, dass er in (abgehörten) Telefonaten “seinen” WeingĂŒtern das Idealrezept fĂŒr guten Chianti Classico verriet: in dem kamen, dem Hörensagen nach, neben 70 (!) Prozent Montepulciano eine Reihe weiterer, in der Toskana nicht erlaubter und nicht kultivierter (!) Rebsorten, aber nur sehr wenig Sangiovese vor. [...]



Kommentare

Sehr geehrter Herr

Sehr geehrter Herr Supp,

eine wie ich finde sehr gelungene Zusammenfassung der aktuellen Situation. Wobei ich trotz aller Bewunderung fuer Oesterreich (fuer mich mit das beste Beispiel, was “nachhaltiges” Marketing im Weinbau bedeutet) dieses Land und auch Deutschland nur bedingt als positive Beispiele im internationalen Vergleich sehe, da hier einfach der einheimische Markt dominiert und damit die ausgefuehrten/produzierten Mengen vergleichsweise gering sind. Sie beklagen voellig zurecht die eklatante Austauschbarkeit und Gleichheit bei einer grossen Mehrheit der hergestellten Weine. Im billigen bis guenstigem Preissegment mag das ja noch annehmbar sein, nur findet dies auch und immer mehr im Luxussegment statt. Man arbeitet mit den gleichen Rebsorten, mit gleicher technischer Ausstattung/Weinbehandlung und mit den gleichen “Flying Winemakern”, die sich einbilden, in ein paar Tagen im Jahr auf dutzenden von Weinguetern ueberall auf der Welt, Spitzenweine herstellen zu koennen. Das Ergebniss kann hier nur eine uniforme Linie sein. Und die geradezu enerviereden Erklaerungsversuche allerortens, dass ausschliesslich das jeweilige “Terroir” fuer die Weinqualitaet verantwortlich waere, glauben ja ohnehin mittlerweile nur noch die, die es glauben wollen oder muessen. Um das jeweilige Terroir eines Anbaugebietes oder auch nur eines Weinberges zu verstehen und dann auch vernueftig nutzen zu koennen, bedarf es mehr als ein paar Tage im Jahr an Zeit. Die Betriebe, die trotzdem so arbeiten tun dies, weil sie sich dadurch eine gute Bewertung bei Journalisten und Weinkritikern und dadurch einen besseren Verkauf versprechen – frei nach dem Motto :”was bei X gut ist kann bei Y ja nicht schlecht sein !”. Und die Rechnung geht oder besser ging bis heute ja auch auf. Jetzt steht man vor einem Scherbenhaufen und keiner will’s gewesen sein. Ich kann mich noch gut an die Brunello Geschichte erinnern, wo nicht wenige Fachleute es als gar nicht so schlimm ansahen, als unerlaubter Weise Weine nur deshalb verschnitten wurden, um sie an einen bestimmten Markt besser zu “adaptieren”. Doch ! Das war sogar sehr schlimm, weil man heute weder diesen Markt, noch eine glaubhafte Identitaet mehr besitzt. Das Motiv hierfuer war einfach Gier, und falsches Prestigedenken. Die Einen wollten den beruehmten Namen aber bitte gefaelligst ohne dessen Charaktereigenschaften und die Anderen gutes Geld verdienen. Aber diese uniformierenden Trends scheinen ja auch durchaus gewollt zu sein. Versuchen Sie nur einmal als noch relativ unbekannter Betrieb in einer Vergleichsverkostung mit einem Charakterwein aus einer unbekannten Rebsorten zu punkten. Sie gehen schneller unter als so manche Investmentbank dieser Tage. Oder finden Sie einmal einen Vertriebspartner, der bereit ist, Zeit, Nerven und Geld zu investieren, um so ein neues Produkt am Markt einzufuehren. Ich kann Ihnen versichern, da bekommen Sie graue Haare. Bloss kein kompliziertes oder erklaerungsbeduerftiges Produkt. Einfache verstaendliche und gut zu trinkende Weine sollen es sein. Mir wurde z.B. schon nahe gelegt, meine Weine weniger “trocken” zu vinifizieren und mich mehr an den trockenen Weinen grosser Namen aus dem Elsass, Deutschland oder auch Oesterreich zu orientieren (wobei hier das Wort “trocken” in den meisten Faellen “nicht wirklich” zutreffend ist 
). Oder es werden Verschnitte vorgeschlagen, um sich einem imaginaeren (die eine Person betreffend) “Wein-Ideal” anzunaehern. Kritik dieser Art kommt aber seltsamer Weise immer nur von den sogenannten Meinungsbildnern/Fachleuten, die eben ihre persoenliche Meinung als die einzig richtig anzusehen scheinen. Vom Kunden, der den Wein ja letzten Endes auch kaufen und bezahlen muessen, hoert man so etwas nicht. Auch wundert mich die Aussage von Frau Robertson. Erstens war und ist es ihr Berufstand, der die grosse Mehrheit der (Top-)Produzenten und deren Geschmacksprofil beeinflusst und Zweitens koennte sie das ja sofort aendern, wenn sie denn wollte. Unbekanntes, Unentdecktes und Grossartiges gibt es zuhauf – man muss es nur suchen und dann auch darueber berichten. Nur ist es scheinbar einfacher und prestigetraechtiger, den Wein eines beruehmtes Chateaux XY zu loben (oder auch zu verreissen – je nach Bedarf), als sich um etwas wirklich Neues zu bemuehen. Doch zumindest aus meiner Sicht werden interessierte Weinkonsumenten (Gott sei Dank) auch immer selbstsicherer und muendiger. Wenn ihnen von medialer Seite immer der gleiche “Wein” eingeschenkt wird, begibt man sich eben selbst auf die Suche nach Neuem (der Rueck- bzw. Untergang der Wein-Printmedien spricht hier Baende). Somit bleibt am Ende fuer viele die Einstellung : Informationen durch Dritte ja, aber was guten oder schlecht ist und ueber einen eventuellen Kauf wird selbst entschieden. Und so soll es sein.

Viele Gruesse

Oliver Bauer


 und die Dame heisst


 und die Dame heisst natuerlich Jancis Robinson – mea culpa

ja – dem kann man als

ja – dem kann man als no-brand-no appelation-winzer wohl nur zu stimmen. Ob’s aber hilft, ĂŒber einige abenteuerlustige Weinliebhaber hinaus, bekannt genug zu werden, um seine WeingĂ€rten und seinen Keller weiter mit Passion zu hegen und pflegen, bleibt im Ungewissen, solange keiner davon spricht und auch FachhĂ€ndler eher nach SchnĂ€ppchen mit garantierter Marge und schon bekannten SelbstlĂ€ufern suchen


Danke fĂŒr die Warnung vor dem neuen Vinum – habe gerade auch endlich den Feinschmecker abbestellt, der mir seit der Einstellung des Weingourmet unaufgefordert ins Haus flatterte. Und mit den französischen Weingazetten sieht es leider nicht besser aus.

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