Von Eckhard Supp - Nein, so ganz Unrecht hat er vielleicht nicht, der Dirk Würtz. Es gibt im deutschen Weinbau Vieles zu Kritisieren. Unter der Überschrift "Was ist nur mit dem Rheingau los???" lancierte der Weinmacher der Königsmühle im rheinhessischen Gau-Odernheim heute nachmittag einen Frontalangriff auf den Rheingau und das System der Ersten Gewächse, der sich gewaschen hatte. Neu waren die kritisierten Punkte dabei allerdings nicht unbedingt, und so darf man sich fragen: Warum nur hat es Würtz ausgerechnet mit dem Rheingau?
Fangen wir von vorn an: "Der Rheingau ist eines der kleinsten, aber bekanntesten Anbaugebiete Deutschlands. Aktuell sind es zwar nur noch einige wenige Weingüter, die Weine von Weltruf produzieren, aber dennoch .... In der Vergangenheit kommen mir aber doch öfter mal gewaltige Zweifel, wie in diesem wunderschönen Anbaugebiet eigentlich die Uhren ticken."
Zur Begründung seiner Zweifel am Rheingauer Uhrwerk dient Würtz vor allem der seiner Meinung nach viel zu hohe Restzuckergehalt der Weine von den Taunushängen. "Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass die Devise >>Je süßer umso besser<< lautet. Einige dieser EGs (Ersten Gewächse, E. S.) sind bis zur Unkenntlichkeit durch Restsüße entstellt." Es ist eine Kritik, die seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten immer wieder geäußert wird, und die man teilen oder nicht teilen kann. Wie Würtz selbst sagt "Natürlich sind die Geschmäcker verschieden...". Aber eine ganze Region zu kritisieren, weil sie viele restsüße Weine erzeugt, ist ungefähr so intelligent, wie Bordeaux zu kritisieren, weil dort so viele tanninhaltige Rotweine produziert werden.
Vor allem aber kann man den Rheingauer Weinbau auch in anderem Licht sehen. Und muss dabei nicht einmal die exzellenten Spätburgunder zu Hilfe nehmen, die der Rheingau zu den jüngst stattgefundenen Verkostungen des Deutschen Spätburgunderpreises angestellt hatte. Auch bei den Verkostungen, die wir in den letzten beiden Jahrzehnten für ENO WorldWine durchführten, schnitt die Region nicht wirklich schlecht ab.
Im Durchschnitt der vielen Tausend bis dato von uns verkosteten deutschen Weine liegt der Rheingau jedenfalls ganz eindeutig vor der Mosel und der Pfalz an erster Stelle. So schlecht - und ich unterstelle einmal, dass ich zumindest eine vage Ahnung von Weinqualität habe - können die Weine der Region also nicht sein. Selbst im Vergleich zu Weinbauregionen anderer Länder schlägt sich der Rheingau gut: die Toskana lässt er gleich um 3/100 (das ist bei Durchschnittswerten viel) hinter sich, und im Kampf mit Bordeaux hat er immer noch leicht die Nase vorn, was sicher nicht an den Spitzenweinen des Bordelais liegt, sondern daran, dass dort neben den Crus Classés eben auch jede Menge Schrott auf die Flasche gefüllt wird.
Aber, wie gesagt, wir kritisieren bei unseren Verkostungen auch Weine nicht einfach deshalb, weil sie tanninhaltig oder restsüß sind, sondern nur dann, wenn die Tannine und die Restsüße nicht mit den übrigen Geschmackskomponenten harmonieren. [...]
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| @@ Balthasar Ress Weingut KG - Rheingau (Deutschland) Rheinallee 7, Hattenheim - 65347 Eltville Tel: 06723-91950, Fax: 06723-919591, E-Mail: info@balthasar-ress.de, Homepage: www.balthasar-ress.de Besitzer: Stefan & Christian Ress Weinbergslagen: Hattenheim: Nußbrunnen, Engelmannsberg, Schützenhaus, Wisselbrunnen - Rüdesheim: Berg Schloßberg, Berg Rottland - Erbach: Marcobrunn - Oestrich: Doosberg, Assmannhausen: Höllenberg - Schloß Reichhartshausen Rebsorten: Riesling, Spätburgunder, Weißburgunder Weinnamen: Von Unserm, 55° Nord jährliche Flaschenfüllung: 365.000 Finden Sie Balthasar Ress Weingut KG auf Google Maps | |
| Anzeige Das Gut, 1870 vom Rheingauer Hotelier Balthasar Ress gegründet, gehört heute zu den großen familiengeführten Betrieben im Rheingau. Kontinuität im hohen Leistungsniveau und Zuverlässigkeit sind Prinzipien, die seit der Zeit gelten, als Balthasar das Weingut gründete. Hof, Weinberge und das Wissen um die Erzeugung von Spitzenweinen wurden in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Eine solche Tradition verpflichtet zur Wahrung der Qualitätsgrundsätze und zum schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Heute wird das Gut in der vierten und fünften Generation durch Stefan und Christian Ress geführt. | ||
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Kommentare
Schönen guten Tag, Herr
Schönen guten Tag, Herr Supp!
Zugegeben, der gute Dirk Würtz hat hier in einem einzelnen Beitrag Themen miteinander verworben, die man besser getrennt voneinander behandelt: zum einen die Frage nach der Geschmacksrichtung "trocken" (die nicht auf den Rheingau beschränkt ist), und zum anderen der Zustand der Rheingauer Weinkultur. In einigen Aspekten hat er aber völlig Recht!
Im Gegensatz zu Ihnen kann ich dem Rheingau gegenwärtig nun wirklich kein gutes Zeugnis ausstellen. Von einigen Lichtblicken abgesehen (u.a. Altenkirch, Kühn), entspricht das von den meisten einstmals renommierten Betrieben abgelieferte Niveau derzeit nicht einmal den Basisanforderungen, die wir als Weinfreaks an die Rheingauer Rieslinge, seien sie trocken oder süß ausgebaut, stellen. In verdeckten Verkostungen im Freundeskreis oder auch zuletzt während meines Urlaubs wurde mein Gaumen wiederholt durch Weine höchst zweifelhafter Machart (u.a. untypische Pfirsicharomatik, wohl aus der Tüte) beleidigt. Ich weiß nicht, nach welchen Maßstäben Sie in Ihren Verkostungen Gebietstypizität und Authentizität beurteilen (wenn überhaupt), gerade diese Werte finde ich in den Rheingauer Weinen aber nur noch vereinzelt, und hier bilden auch die VDP-Betriebe keine Ausnahme. Im Gegenteil.
Daher finde ich es schon sehr erstaunlich, dass bei Ihnen der Rheingau im Schnitt noch vor der Mosel rangiert. Dies widerspricht deutlich meinen Erfahrungen und allem, was ich von kompetenten Weinfreunden in den vergangenen zehn Jahren gehört habe.
Das Thema Restsüße spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Erstens weil Stil- und Geschmackssache, und zweitens, weil es meines Erachtens vor allem das bereits angesprochene Aromentuning ist, dass den Weinen mehr schadet als einige wenige Gramm pro Liter Fructose. Daher muss ich Sie einmal fragen, wieviele Weine Sie in Ihren Verkostungen bisher aufgrund einer gebietsuntypischen Aromatik abgelehnt haben.
Übrigens haben viele der Ersten Gewächse so wenig Charakter, dass Sie dem Ruf der berühmten Rheingauer Lagen nicht weniger schaden als die Massenfüllungen von Reh-Kendermann & Co.
Warum dann die Lagennamen auch noch ausgerechnet den Weinen vorbehalten sein sollten, die Terroir auf einen möglichst hohen Alkoholgrad reduzieren, will sich mir nicht erschließen. Oft sind es doch die klassischen Kabinette und Spätlese, die den Lagencharakter besser widerspiegeln als ein aufgeblasener Prestigewein ohne Gesicht.
Letzteres ist aber wiederum nicht nur ein Problem des Rheingaus, sondern ein generelles.
Mit freundlichem Gruß
Werner Elflein
Hallo Herr Elflein, danke für
Hallo Herr Elflein,
danke für den Beitrag, der tatsächlich viele wunde Punkte berührt. Nur vorneweg: Der Passus über den Rheingau und die Mosel in unseren Bewertungen bedeutet natürlich nicht, dass ich behaupten wollte, der Rheingau mache die besten Weine Deutschlands. Dazu müsste man dann die Durchschnittsbewertungen tatsächlich erst mal genau hinterfragen: Bei welchen Gelegenheiten sie zustande kamen, welche Weine verkostet wurden, wie viele Muster von jeder einzelnen Region in den jeweiligen Durchschnittswert eingingen etc. Da haben Sie völlig Recht. Ich wollte damit nur belegen, dass, wie ich schrieb, die Weine soooo schlecht nicht sein können, und in der Tat halte ich die Rheingauer Weine für besser als ihr Ruf.
Es wäre einmal interessant, wirklich vergleichbare Weine (und zwar in jeder Hinsicht, z. B. die zehn besten trockenen Rieslinge) aus jeder Region (Rheingau, Nahe, Pfalz, Mosel, Rheinhessen...) über einen Zeitraum von mehreren Jahrgängen gegeneinander antreten zu lassen und dann zu schauen, ob der Rheingau wirklich so drastisch hinten abfällt.
Ich freue mich, dass Sie mir in dem Punkt Recht geben, dass die Probleme, von denen Sie einige sehr richtig benennen, nicht Rheingau-spezifisch sind. Auch in den Aspekten, die ich in meinem Beitrag nicht angesprochen habe, bin ich weitgehend einer Meinung mit Ihnen.
Meine Bauchschmerzen rühren, was Dirk Würtz betrifft, allerdings nicht nur daher, dass er, wie Sie richtig schreiben, Themen miteinander verwob, die man besser getrennt hätte, sondern vor allem daher, dass hier ein rheinhessischer Erzeuger/Weinmacher in m. E. unzulässig pauschalisierender Art und Weise über die Kollegen jenseits des Rheins urteilt.
Vielleicht bin ich altmodisch, aber für mich hat der Begriff Interessenkonflikt noch eine sehr reelle Bedeutung, und wenn ich die allgemeine politische Diskussion in diesem Land richtig verfolge, gilt das nach vielen Jahren der Beliebigkeit, des Schlendrians und des "Laissez faire, laissez aller" heute auch wieder für mehr und mehr Journalisten und Publizisten.
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