WorldWine Blog

21. September 2010

Das Weinamt und sein Terroir

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Von Eckhard Supp - Eigentlich erwartet man ja von EU-Bürokraten und Weinbaufunktionären nicht unbedingt viel Gutes. Das gilt für Deutschland genauso wie für alle anderen Länder der EU, vielleicht sogar der ganzen Welt. Umso größer war meine Überraschung, als ich vor einiger Zeit eine Veröffentlichung der Ergebnisse des jüngsten OIV-Kongresses im georgischen Tiflis las, in der es das Internationale Weinbüro unternahm, den Begriff des Terroirs verbindlich zu definieren. Ich habe an dieser und anderer Stelle Gleiches versucht und vermute, der Grund für die jüngste Resolution des OIV dürfte derselbe gewesen sein, der auch mich zu meinen Versuchen veranlasste: Es ist der hanebüchene Unsinn, der auch heute noch von Winzern, Weinhändlern und Weinfreunden gleichermaßen zu diesem Stichwort verzapft wird.

Da ist meist von "Bodengeschmack" die Rede, als ob man mit einem Schluck Wein gleichsam auch in ein Stück Muschelkalk, Schiefer oder Braunerde bisse. Oder aber es wird schlicht jeder noch so billige Massenwein als "Terroirwein" verscherbelt, weil das zwar niemand richtig versteht, es aber so toll klingt, dass der Markterfolg des so etikettierten Produkts gesichert scheint.

Das OIV hat nun inseiner Resolution eine erstaunlich korrekte Definition des Begriffs gegeben, die zugegebenermaßen etwas kryptisch klingt. Beamtensprache eben! Terroir ist für die Weinfunktionäre "ein Konzept, das sich auf einen (geographischen, E.S.) Raum bezieht, innerhalb dessen sich das kollektive Wissen von der Interaktion zwischen einem genau bestimmbaren physischen und biologischen Milieu einerseits und der Weinbaupraxis andererseits entwickelt hat, die zusammen den Weinen aus diesen (geographischen) Räumen besondere (geschmackliche) Eigenschaften verleihen" (aus dem Französischen zitiert).

Wichtig an dieser Definition sind gleich mehrere Elemente: Terroir ist nichts Naturgegebenes, sondern impliziert das Kulturwissen und die Kulturtechniken der Winzerschaft. Es basiert nicht nur auf physischen (Boden, Klima etc.) Parametern, sondern auch auf biologischen (Rebsorten, Mikrobiologie des Weinbergs etc.). Und schließlich: Es drückt sich im Wein in besonderen, wiedererkennbaren geschmacklichen Eigenschaften aus, kurz, es bildet die geschmackliche USP, die Unique selling proposition des jeweiligen Weins, um es in Marketingbegriffen auszudrücken.

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Tag(s): OIV, Terroir


Kommentare

Das ist schlichtweg

Das ist schlichtweg irreführend: "Terroir ist nichts Naturgegebenes, sondern impliziert das Kulturwissen und die Kulturtechniken der Winzerschaft.".

Wenn wir weiter bei den bisherigen Erläuterungen Boden, Mikroklimata etc. bleiben, sollte es m.E. genügen. Die Einbringung oenologischer Aspekte hat in diesem Zusammenhang nichts zu suchen, obschon nur ein guter Winzer auch guten Wein aus seinem Terroir auf die Flasche bringt.

Bio, biodynamisch, konventionell - also letztendlich das, was der Winzer auch oekonomisch verantworten kann, spiegelt Terroir oder verdeckt es, doch immer sind die primären Bedingungen naturgegeben.

Terroir und Oenologie - das sind nur zwei Aspekte dessen, was einen Wein ausmacht und diese nun zu vermischen ist eine Überforderung für den Konsumenten.

Der Einklang der Faktoren und das Verständnis der Zusammenhänge ist für den Experten unabdingbar, doch halte ich eine Definition darüber, welcher Klon mit welcher Erziehungsmethode und Beipflanzung das Terroir besser aufzeigt für unnötig.

Es muß nicht immer alles unter den Reglementierungswahn fallen.

Hallo Herr Rosenthal, ich

Hallo Herr Rosenthal,

ich habe das Gefühl, Sie setzen "Kulturwissen" und "Kulturechnik" mit Önologie gleich. Das hat das OIV bestimmt so auch nicht gemeint. Kulturtechniken sind beim Wein ja zuallererst einmal "Kultivierungs"techniken, d. h. Techniken der Weinbergsarbeit.

Deshalb geht es hier auch nicht um eine wie auch immer gedachte Vermischung von Terroir und Önologie.

Wenn Sie allerdings meinen, dass ein richtiger, d. h. vollständiger Begriff von Terroir "den Konsumenten" überfordert, dann sollten Sie eigentlich besser ganz auf den Begriff verzichten. Denn nur als Verkaufsschlagwort genutzt oder auch missbraucht zu werden, finde ich eigentlich für den sehr wichtigen Begriff des "Terroirs" nicht angemessen.

Naaa, Herr Supp, wer wird

Naaa, Herr Supp,

wer wird denn da gleich von "Missbrauch" sprechen und so angreifend werden ?
In der heutigen Zeit ?
Eigentlich dachte ich, dass wir uns über Terroir und Weinbereitung unter Experten nicht streiten bräuchten - eigentlich.

TERROIR als "Verkaufsschlagwort" und dann auch noch als solches "missbraucht" ?
HALLO ? Ist jemand zu Hause ? Wenn dieser Begriff nur für Insider interessant sein sollte, was soll das dann überhaupt ?
Sie betreiben gerade "Terror on comment", raten mir, den Begriff nicht mehr zu gebrauchen, anscheinend ohne darüber nachzudenken, was eigentlich Ziel meiner Aussage war.

Für viele Menschen scheint es noch immer wichtig zu sein, alles in Normen, Regeln und Gesetze zu pressen, ein Lieblingsspiel nicht nur unter Bürokraten.
Meist ist dies bedingt durch die eigene Unfähigkeit Dinge frei in Worte zu fassen, abseits von Normen.
Nur wer unsicher in seiner Argumentation ist, benötigt einen festgelegten Leitfaden.

Wir haben es mit einem Naturprodukt zu tun und nichts und niemand, kein Wissen und keine Technik braucht hier mit irgendwelchen Resolutionen etwas definieren, das nämlich schafft eben die Natur besser als das Papier.

Wer die klaren Regeln braucht, hat den Beruf verfehlt.
Selbst Rechtsanwälte und Steuerberater haben einen Spielraum und wissen das zu nutzen.
Wenn man im Weinbusiness über neue Definitionen jubiliert sollte man besser nicht vergessen, täglich Puls, Zucker und Temperatur zu messen - nur um die Norm nicht zu verfehlen.

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