Von Eckhard Supp – "Immer mehr trinken sich ins Koma" lautete die kurze und lakonische Bemerkung, die Weinblogger Würtz heute morgen über Twitter in die Welt posaunte, und das klang so alarmierend, dass ich mir den Blogbeitrag einmal genauer ansah. Das imerhin hatte also schon mal funktioniert! Die Meldung im Stil der Zeitung mit den berühmten vier Buchstaben hatte noch einen Visit und zwei Page Impressions generiert.
Was ich dann dort las, war allerdings nicht unbedingt dazu angetan, meine Verwunderung über diese Art der Berichterstattung zu beseitigen. Wobei ich das eigentliche Ärgernis nicht unbedingt darin sehe, was Würtz schrieb, sondern darin, was er nicht schrieb. “2008 mußten 25.700 Kinder und Jugendliche aufgrund ihres Alkoholkonsums in ein Krankenhaus. Allerdings auch knapp 2.700 Menschen im Alter von 70 bis 85 Jahren. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den bis zu 90-jährigen schnellen die Zahlen noch deutlicher nach oben.”![]()
Dabei wäre zunächst einmal kritisches Hinterfragen der Zahlen selbst angebracht gewesen. Denn immerhin hatte das Bundesgesundheitsministerium im vergangenen Jahr noch von mehr als 23.000, nicht aber von 25.700 im Jahr 2008 stationär behandelten Jugendlichen mit Alkoholvergiftung gesprochen, was ja schon mal eine ganz nette Diskrepanz wäre. Aber auch, wenn man sich ausschließlich auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes stützt, wie Würtz das tut, fällt auf, dass die Zunahme der behandelten Jugendlichen um 170 % seit 2000 (9.500 Fälle) eine deutlich höhere jährliche Steigerungsrate impliziert, als die vom Bundesamt selbst gegenüber 2007 bezifferte von ca. 11 %.
Schaut man sich die Entwicklung von 2000 bis 2008 etwas genauer an, so fällt auf, dass die Zahlen zwischen 2000 und 2005 sehr rasch stiegen: von 9.500 auf 19.400, was einem Zuwachs von insgesamt 104 % oder einer mittleren jährlichen Steigerungsrate von etwa 15 % entsprach. Seither hat sich der Anstieg dagegen deutlich verlangsamt: von 2005 auf 2006 betrug er sogar nur 1 %, in der gesamten Periode bis 2008 durchschnittlich etwa 10 % jährlich.
Das heißt, dass die Zunahme der “kampftrinkenden” Jugendlichen, die in der ersten Hälfte des Jahrzehnts tatsächlich besorgniserregend war, in den letzten Jahren wieder deutlich schwächer ausgefallen ist. Das wäre dann in meinen Augen die eine, wirklich berichtenswerte Tatsache gewesen, auch wenn man natürlich nicht oft genug betonen kann, dass 25.700 Alkoholvergiftungen unter Jugendlichen ziemlich genau 25.700 zu viele sind. Aber mit solche einer Schlagzeile hätte man natürlich keinen müden Hund hinterm Ofen hervorgelockt und schon gar nicht mich (vielleicht auch andere Leser) auf den Blog von Würtz.
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