Von Eckhard Supp – Ein wenig merkwürdig komme ich mir schon vor, wenn ich zum wiederholten Male an dieser Stelle das Problem der sinkenden Auflagen einiger Printmedien aus dem Food- und Weinsegment aufgreifen muss. Aber: Chronistenpflicht bleibt Chronistenpflicht, und die aktuellen Zahlen sind teilweise so dramatisch, dass es fahrlässig wäre, nicht darüber zu informieren.
Fangen wir mit der Weinzeitschrift Vinum an, die nach bewegten Jahren jetzt wieder fest in Schweizer Hand ist, sich aber nach wie vor eine deutsche Ausgabe leistet. Vinum Deutschland hat im abgelaufenen 4. Quartal noch ganze 29.600 verkaufte Exemplare an die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.) gemeldet. 2008 waren es noch 36.400 (für den damaligen Eigner Landwirtschaftsverlag schon schlecht genug, um den Titel zu verkaufen).
Zieht man von diesen 29.600 Exemplaren die fast 20.900 Exemplare der “sonstigen Verkäufe” ab, bleibt eine “harte Auflage” (Einzelverkauf und Abonnement) von weniger als 9.000 Stück – ein Desaster, das eigentlich nur noch die Frage zulässt, wann der Titel definitiv geschlossen wird, da nach unseren Informationen die Zahlen der Schweizer Auflage ebenfalls alles andere als zufriedenstellend sein sollen.
Auch Konkurrent Weinwelt geht es nicht viel beser. Dort setzte man im 4. Quartal noch 28.200 Exemplare ab, 2008 waren es noch 33.800 und 2007 sogar noch 34.000. Zieht man hier die 16.700 Bordexemplare ab, so bleibt noch eine “harte Auflage” von wenig mehr als 11.000 Exemplaren – ein Armutszeugnis.![]()
Auch bei den Foodtiteln geht den “üblichen Verdächtigen” offenbar die Luft aus: essen & trinken, der Traditionstitel, befindet sich trotz des gerade erst vollendeten, aufwendigen Relaunches im freien Fall. 171.200 Exemplare wurden hier IV/2009 noch verkauft, gegenüber 191.999 im Jahr 2008 und 200.400 2007. Das Geld für den Relaunch war also zum Fenster rausgeworfen – so wie offenbar immer größere Teile der Belegschaft, wie man hört. Dagegen geht es anderen Foodtiteln (aus anderen Verlagen) offenbar recht gut. Lecker (Bauer Verlag) legt immer noch zu, Lust auf Genuss (Burda) steigt sogar auf Rekordniveau.
Bleibt nur die Frage, wann sich endlich ein Verleger (ich meine einen richtigen Verleger, keinen Controller, Juristen oder Buchhalter) findet, der in der Lage ist, eine wirklich gute Weinzeitschrift auf die Beine zu stellen. Ich würde ihm glatt eine schöne Flasche Wein aus meinem Keller spendieren ….
Kommentare
Die Auflage alleine
Die Auflage alleine entscheidet auch nicht alles, es reicht ein Heft mit einer Auflae von 30000 und einem etwas höherem Copypreis (dafür besser und aufwendiger gemacht) um zu reüssieren. Aber von Grafik und Fotografie, von relevantem Content und Spaß sind die Weinzeitungen Millarden Kilometer entfernt. Zudem sind sie alle schrecklich altbacken und wirken wie Informationsblätter eines Geheimcircles. Und das wird sich auch nicht ändern.
PS: Man sollte es selbst machen. Und sich die Flasche selbst spendieren.
‘Tschuldigung, ich kann nicht
‘Tschuldigung, ich kann nicht widerstehen:
Immer größere Teile der Belegschaft werden zum Fenster herausgeworfen?
Ich finde es interessant über
Ich finde es interessant über diese “Entwicklung” informiert zu werden.
kann man denn von allen Zeitschriften / Magazinen die Auflagen irgendwo nachschauen? evtl. sogar die Entwicklung jedes einzelnen?
@Marqueee Nix für ungut, bei
@Marqueee Nix für ungut, bei denen war’s wohl dann eher die Tür
)
@Andreas Die Zahlen sind öffentlich. Einzusehen unter http://www.ivw.de. Man muss sich allerdings anmelden.
Ach, und noch eine Ergänzung:
Ach, und noch eine Ergänzung: Die Zeitschrift Landlust hat erneut um fast 50 % (!!!) in einem Jahr zugelegt. Verkaufte Auflage hier: 2007: 260.000, 2008: 446.000, 2009: 649.000. Sie hat damit sogar den Focus überholt. Es geht also doch!
… wir machen, glaube ich, ein
… wir machen, glaube ich, ein äußerst aufwendiges Magazin. Kein Verleger im klassischen Sinn, hätte den Mut ein solches heraus zu bringen, leider. Also hoffen wir, das wir es bald auf eine Auflage von 5.000 Exemplare bringen. Sonst sind unsere Ersparnisse aufgebraucht, und das Magazin? Also der Aufruf an alle die das besondere lieben, unterstützt kleine Verlage die mutig sind.
Herr Fischer, Mut haben Sie
Herr Fischer,
Mut haben Sie
. Und apéro ist wirklich ein schönes Heft. Sobald der komplette Relaunch von ENO WorldWine fertiggestellt haben, werden wir auch wieder häufiger mit Rezeptbeispielen auf die neuen Ausgaben hinweisen.
Aber woran liegt es, dass die Auflage immer noch so klein ist?
Es sind sicher nur
Es sind sicher nur strukturelle Wandlungen, in deren Verlauf viele Arbeitsplätze von den Printmedien zu den Onlinemedien wechseln werden. Solchen Wandel hat es immer gegeben, da muss man nicht den Niedergang mit verknüpfen.
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