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Zu den bisherigen Portraits und Reportagen     

 

September 2008 

"live" von der Cape Wine 2008

von Eckhard Supp

Dieser Reisebericht entstand dank der großzügigen Hilfe von WOSA, Wines of South Africa. Die kompletten Verkostungsnotizen werden im Rahmen eines großen Südafrika-Reports Ende Oktober, Anfang November online gehen. In den aktuellen Weinhighlights listen wir die besten Weine der 2008er-Selektion der Cape Winemakers Guild auf, die wir kürzlich in Hamburg verkosten konnten. Zum großen Teil noch im Handel sind die Weine, die wir in unserem Verkostungsreport vom vergangenen Jahr besprochen haben.

 

27. September 


Fotogalerie:  Elim und Cape Agulhas

Land's End - Auch am südichsten Punkt Afrikas werden seit wenigen Jahren Weinreben kulitiviert. Elim heißt das Anbaugebiet bei Cape Agulhas, wo Atlantik und Indischer Ozean aufeinander treffen. Es hat sich vor allem mit frischen,festen und mineralischen Weißweinen einen Namen gemacht. Eine Bilderserie ohne Kommentare, nur zum Genießen ....  (Zum Starten der Bildgalerie auf das Foto klicken!)

 

 

Bouillabaisse kurz vor der Antarktis 

(Elim, 13:50 h) - Bei Cape Agulhas - und wirklich erst hier - ist Afrika zu Ende. Auch wenn die meisten glauben, das Kap der Guten Hoffnung sei der südlichsten Punkt des Kontinents, so ist es doch dieses Stück Land, das "suidelikste", wie wir auf einem Schild lesen, das am weitesten in Richtung Antarktis ins Meer ragt. Dass hier Reben wachsen sollen, halte ich auf der langen Anfahrt von Stellenbosch für eine Erfindung schlauer PR-Strategen, aber dann tauchen die Rebzeilen tatsächlich auf, und wir sind am Ziel. Die Handvoll Erzeuger dieses Anbaugebiets verstehen sich prächtig untereinander und organisieren uns ein irres Mittagessen: Tolle Austern, eine geschmackvolle Bouillabaisse, Lamm, das nach Lamm schmeckt, ein Abalone-Ragout im Reisring und noch ein Rostbeef am Stück. Ich kann mich, überfüttert, wie ich bin, gerade noch auf die Terrasse schleppen, um das hier zu schreiben. Gastfreundschaft ist in Südafrika wirklich keine leere Worthülse, und die Kerle hier freuen sich wirklich, dass wir aus allen Ecken der Welt zu ihnen gekommen sind.  

Ein letzter, großartiger Ausflug zum südlichsten Punkt Afrikas, Cape Agulhas, den wir mit einem Schluck Weißwein der Elim-Winzer beschließen, und ein letztes Abendessen mit kleiner Verkostung im Kreis der deutschen Kollegen, die die Cape Wine besuchten, und das war es. Goodbye Africa! Thank you, WOSA!

 

Wie viele Sterne?

(Stellenbosch, 08:30 h) - Einer der deutschen Kollegen, Niko Rechenberg, stellte diese Frage gestern im neuen Restaurant des Weinguts Rust en Vrede (vor 10 Monaten eröffnet). Nein, es ging nicht um die Sterne am Himmel über Stellenbosch, sondern darum, ob die Leistungen von Küchenchef David Higgs und seiner Mannschaft einen Stern verdienten oder nicht. Bei den Vorspeisen hieß das einmütige Verdikt "ja", meine ungemein aromatische Erbsensuppe hätte sogar zwei verdient, beim Fischrisotto ebenfalls, und für die Desserts gab es dieselbe Note. Lediglich die Lammkoteletts fanden wir alle etwas bieder - gut, aber ohne aromatische und geschmackliche Finesse. Summa summarum aber war Rust en Vrede für die meisten von uns mit Abstand das kulinarische Highlight der Reise. Kompliment David!!  

 

26. September 

Wer hat mehr Geld? Wer gibt mehr aus? 

(Stellenbosch, 18:00 h) - Die Frage stellte sich der Fahrer des Minibuses, der mich zum Gut des Golfprofis Ernie Els brachte, konnte sie aber nicht beantworten. Wir hatten über Quoin Rock und Ernie Els gesprochen und gerätselt, wer wohl mehr Geld in die Landschaft rund um Stellenbosch gegossen hat. Der Tipp des Fahrers war ganz pragmatisch: Er kannte den mit Ziegeln gepflasterten Weg zum Weingut Ernie Els und meinte, der hätte bestimmt eine Unsumme gekostet. Ich tippte, angesichts der gigantischen Keller und der ausladenden "mansion", dem Wohn- und Gästehausensemble auf der Bergkuppe,, eher auf Quoin Rock. Aber schließlich: Wenn ein in England lebender Golfprofi einen kleinen Teil seiner Millionen in der alten Heimat investiert und damit eine ganze Reihe Arbeitsplätze schafft, dann ist das ja etwas sehr Positives. 

Und dann waren ja noch die großartigen Weine, die von Quoin Rock, die ich bereits vor einigen Tagen kennenlernen konnte, und die von Ernie Els, die ich heute verkostete. Schon die "Basis"linie Guardian Peak bot eine ganze Palette guter bis sehr guter Gewächse, an der Spitze der Cabernet Sauvignon Lapa 2006 (dichtes Rubinrot, Paprikaschote, medizinalische Noten, Minze und schwarze Beeren, dicht, saftig, fest von jungem aber perfekten Tanninen, süßer Extrakt im Finish, schöner Abgang, sehr lebendiger, feiner Wein). Von selten gesehener, gleichmäßiger Qualität waren dann die drei Spitzenweine des Gutes, der Syrah Cirrus (intensives Rubinrot, sehr markante Frucht mit etwas gerösteten Walnüssen, dicht, fest, tiefe Retroaromen, sehr guter Wein mit eigener Persönlichkeit), der Engelbrecht Els Proprietor's Blend (dickes Brombeerrubin, sehr verschlossen in der Nase, am Gaumen sehr kompakte, frische Tanninstruktur, perfekte Balance, gute Länge im Finish, braucht noch viel Zeit), beide aus dem Jahrgang 2006, und schließlich der teuerste, aber etwas schwächere der drei, der 2004er Ernie Els Limited Release (intensives Rubinrot, feine, süße Fruchtaromen, am Gaumen fest, stoffig und kräftig, gute Länge im Abgangintensives Rubinrot, feine, süße Fruchtaromen, am Gaumen fest, stoffig und kräftig, gute Länge im Abgang).

Ein voller Erfolg war auch der Besuch bei Rijk Melck auf dem Weingut Muratie, das ich im Februar 2002 schon einmal besucht hatte. Die Spinnweben im Verkostungsraum stehen wohl inzwischen unter Denkmalschutz und gelten als so etwas wie das Markenzeichen von Muratie. Bei den Weinen gab es mehr als nur ein Highlight, aber die wurden alle von der herrlichen Syrah Ronnie Melk 2005 (dichtes, frisches Rot, enorme Fruchttiefe in der Nase mit viel roten Beeren, Gewürzen und mediterranen Kräutern, ein wenig Olivenpaste, großes, süßes Extraktpaket, feste Tanninstruktur mit guter Eleganz, großartiger Wein) getoppt.  Das ist mit Sicherheit einer der zwei oder drei besten südafrikanischen Weine aus der Rebsorte.

  

Das Portrait: Women (in) black

Sie sind jung und selbstbewusst, sie arbeiten für die ganz großen Namen des südafrikanischen Weinbaus, Simonsig, Meinert oder Meerlust. Sie sind weiß oder schwarz, Frauen oder Männer und sie fordern die Altvorderen auf ihrem eigenen Feld heraus, dem der Erzeugung von Spitzenweinen. Von Eckhard Supp   mehr...

Alexander von Essen

Randolf Kauer

 

25. September 

Gabelbissen und Haifischtänze 

(Kapstadt, 23:30 h) - Fork, Gabel, heißt das Tapas-Restaurant in der Long Street, in dem ich heute mit der Besitzerin von Mont du Toit, Carolina du Toit, zu Abend gegessen habe. Die Tapas waren fast ausnahmslos von ausgezeichneter Qualität: Thunfisch, Kudu, Prawns (die waren etwas schwächer), ein Raviolone und tolle eingelegte Sardinen z. B. Auch die Desserts waren ganz hervorragend - sowohl der Schoko-Kuchen als auch die vier Zitronen-Schmankerl. Anschließend ging es, wie schon vor zwei Jahren, ins Aquarium an der "Waterfront" zum Tanz mit den Haien (die natürlich brav hinter ihrer Glaswand blieben). Der Abend war dem Pebbles Project gewidmet, einem Kinderhilfsprojekt mit Schwerpunkt auf schulischer Bildung. Hier war allerdings deutlich weniger los, als vor zwei Jahren. Vielleicht eine Konsequenz der politischen Krise im Lande?

 

Eine Messe zum Genießen 

(Kapstadt, 19:30 h) - Da gab es vielleicht die eine oder andere Kleinigkeit, die man bemängeln konnte - eher im Umfeld als auf der Messe selbst. Aber die Cape Wine hat sich erneut als eine der angenehmsten und interessantesten Messe des Weltweinbaus erwiesen. Eine so ruhige und professionelle Atmosphäre findet man nur selten, und die Qualität der Weine, die hier ausgestellt wurde, war von einem im Schnitt erstaunlich hohen Niveau. Zwar ändert das nichts an meinen Bemerkungen über gewisse Kommerzialisierungstendenzen, aber insgesamt hinterließ die Cape Wine bei allen Beteiligten, mit denen ich sprechen konnte - Winzern wie Besuchern - einen sehr positiven Eindruck. Die Winzer beklagten sich nicht einmal darüber, dass zeitweise nicht allzu viele Besucher ihre Stände bedrängten, wie das andernorts der Fall ist, sondern erfreuten sich an deren Qualität und an ihrem wirklichen Interesse für die Weine. Erstaunlich, dass jemand wie ich, der unter der Apartheid 15 Jahre lang nicht in dieses Land einreisen konnte, sich hier so wohlfühlt. Cape Wine 2010 ... wir kommen!

 

Noch einmal der Mainstream - von Walen und der Sprache

(Kapstadt, 17:00 h) - Was genau es jetzt war, werden wir vielleicht nie erfahren. Jedenfalls schwammen eben - gut vom Pool des Westin Grand Hotels im 19. Stock aus sichtbar - zwei oder drei ziemlich große Brocken im äußeren Hafenbecken. Die Südafrikaner meinten, es seien Wale, und die Tiere sahen auch richtig majestätisch und groß aus. Aber vielleicht waren es ja auch Seelöwen oder Robben ... Nur das Ungeheuer von Loch Ness wollten alle Beobachter kategorisch ausschließen.

Der letzte Messetag brachte jedenfalls wieder eine ganze Reihe sehr schöner Weine, etwa die gesamte Kollektion von Boekenhoutskloof und von Reyneke. Grandios war auch der 2007er Anwilka (dickes Brombeerrot mit Purpurrändern, minzig-medizinalische Noten, sehr tiefes, klassisches Bukett mit viel Würze hinter der Frucht, große Tanninstruktur, noch jung, aber sehr elegant, eine Spur zu wenig Saft, aber insgesamt sehr überzeugender Wein mit großem Potenzial), das Resultat eines Joint-Ventures aus zwei Bordeauxwinzern mit Klein Constantia. Auch Beyers Truters (Beyerskloof) Synergy Cape Blend von 2006 (Brombeerrot, sehr tiefes, reifes Fruchtaroma, Erdbeeren und Blaubeeren, viel Stoff und schöne aromatische Länge, festes, aber gut gearbeitetes Tannin) gehörte zu diesen Highlights, ebenso wie der weiße Roulette 2007 von Lammershoek (glänzendes, dichtes Grünstroh, sehr ausdrucksvolles Bukett, dicht, kompakt, sehr schöner Ausdruck und große Länge bei gleichzeitig großer Frische) und die 2006er Syrah aus dem selben Weingut.

Apropos Lammershoek: Es ist schon erstaunlich, wie gut Paul Kretzel nach mehr als 35 Jahren in Südafrika noch deutsch spricht. Zwar mit landschaftlichem Einschlag, aber grammatikalisch völlig sauber, während andere es schon nach einem halben Jahr nicht mehr schaffen, einen halbwegs korrekten deutschen Satz zu formulieren. Eine der schönsten Kreationen des Berufskauderwelschs, das man unter Weinmachern hier hören konnte, war der Satz: "Ich hab den Wein zurückgeblendet" - gemeint war natürlich zurückverschnitten (von to blend = verschneiden). Beim Weingut Reynecke dann das umgekehrte. Da flickte ein Südafrikaner umstandslos deutsche Bruchstücke in sein Englisch: "I don't like this wischiwaschi..." meinte er, und hatte wohl Recht, was die vielen, undefinierten Weine seiner Kollegen betrifft. Reynecke und Boekenhoutskloof, die beiden Standnachbarn auf der Messe, präsentierten sich überhaupt nicht mit Wischiwaschi, sondern mit zweien der schönsten Kollektionen der Messe. Reynecke ist darüber hinaus das einzige (so sagt man, ich konnte es nicht verifizieren) zertifizierte biodynamische Weingut in Südafrika, und die Weine sind wirklich großartig.

Was den Mainstream angeht, so müssen die südafrikanischen Erzeuger aufpassen, dass sie nicht in der Belanglosigkeit vieler chilenischer oder australischer Marken enden. Ganz gleich, wie hoch der Druck durch Importeure und Wiederverkäufer ist: Wenn die Südafrikaner es nicht schaffen, zumindest an der Spitze ihrer jeweiligen Weinpaletten mindestens ein Produkt mit überragender, aber vor allem unverwechselbarer Qualität zu präsentieren, dann werden sie bald das aktuelle Schicksal der anderen Neue-Welt-Länder teilen, denen es auf den europäischen Märkten gar nicht gut geht.

 

24. September 

Österreichische Küche ... und der Service? 

(Kapstadt, 22:00 h) - Nachdem ich vor zwei Tagen Thomas Sinn kennenlernte (s. u.), war ich heute abend in seinem Restaurant. Er gilt als einer der besten Chefs am Western Cape. Das Restaurant war, entgegen meiner Erwartungen, ein sehr modernes Ensemble aus Bar, Terrasse und offenem Restaurant in einer Büro- und Einkaufspassage. Vorweg sei gesagt, dass das Essen wirklich gut war: Ein Pot-au-feu aus Muscheln und Prawns, der vielleicht eine Spur zu konzentriert war, und ein Rinderfilet von absolut zarter Konsistenz, perfekt gebraten, bei dem nur die versprochenen Rösti fehlten. Was den Service angeht,  liegt bei Sinn jedoch Einiges im Argen: Dass die Restaurantchefin eine ganze Weile mit ausladender Gestik und lauthals mit ihrem Personal stritt, hätte man vielleicht noch im allgemeinen Lärm überhören oder übersehen können. Aber dass dann ein Brotkörbchen mit einem (!) ganzen und einem abgeknabberten Stück Brot auf den Tisch kam, die Papierserviette voller Krümel und Fettflecken war, was den Schluss zuließ, dass dieses Körbchen mitsamt Inhalt schon mindestens einen Gast "beglückt" hatte, das war schon etwas gewöhnungsbedürftig. Dass in dem zu zwei Drittel leeren Restaurant der Service und die Küche in vollem Stress "rotierten", trug dann auch nicht zur Gemütlichkeit bei.

Mit Thomas Sinn unterhielt ich mich kurz über die Tendenzen im südafrikanischen Weinbau. Dass er sich bitter über einige überzogene Preise beklagte, konnte ich aus der europäischen Perspektive naturgemäß nicht nachvollziehen. Einig waren wir uns allerdings darin, zu konstatieren, dass in den letzten Jahren eine deutliche Tendenz hin zu "mainstreamigen", kommerzielleren Weinen festzustellen ist. 

Es gibt zwar immer noch spannende Betriebe, vor allem von jungen Weinmachern, die sich ihre Sporen noch verdienen müssen, aber bei vielen Betrieben ist klar zu erkennen, dass sie ihre Weine stark am Markt ausrichten. Das mag für das untere und mittlere Preissegment noch natürlich sein, im gehobenen Segment und bei den so genannten "icon wines" hat eine solche Ausrichtung natürlich nichts zu suchen.

Interessantes Detail am Rande: Die beiden Taxen auf dem Hin- und dem Rückweg fuhren im Prinzip denselben Weg. Dennoch standen auf dem Hinweg 55 Rand auf dem Zähler, auf dem Rückweg nur 23!

 

Grabenkrieg und Wein satt!

(Kapstadt, 18:00 h) - Messen wie die aktuelle Cape Wine zu organisieren, ist sicher kein leichtes Stück Arbeit, und ich beneide niemanden darum. Aber was hier seit zwei oder drei Tagen abgeht, übertrifft dann doch die schlimmsten Befürchtungen. Dutzende Termine - und nicht nur meine! -, die vereinbart und dann wieder abgesagt oder verschoben werden, wobei sich die Einladenden und die Organisatoren gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Wenn man sich über das Chaos beschwert, muss man sich in scharfem, fasst drohendem Tonfall belehren lassen, man solle lieber bei der nächsten Gelegenheit zwei Mal darüber nachdenken, bevor man etwas sage. Auch die erhofften Arbeitsbedingungen für Internet-Publikationen - ursprünglich war sogar einmal ein Treffen mit Wein-Bloggern aus aller Welt vorgesehen, das aber kurz vor Messebeginn wieder abgesagt wurde - sind mehr als spärlich. Wer, wie ich, tagsüber online berichten will und nach einem Wlan-Zugang fragt, wird beschieden, sich bei der Verwaltung des Conventions Centres einen entsprechenden voucher zu kaufen. Das ist schon recht ärmlich, um es höflich auszudrücken!

Eines ist klar: Dieses Gezetere geht letztlich nur zu Lasten der sympathischen Winzer dieses Landes und ihrer herrlichen Weine! Und davon gab es auch auf dem heutigen Messetag wieder mehr als genug:

Am Stand von Delheim mit Nora Sperling (Foto: Erhardt Thiel) 

Etwa den 200er Trilogy von Warwick (dickes Brombeerrubin mit Purpurrändern, tiefe Blaubeeraromen, schöne, noch verhaltene Würze, am Gaumen festes Tannin, sehr jung, aber auch große aromatische Fülle, sehr klassischer, europäischer Wein mit gutem Entwicklungspotenzial) oder den Pinotage Single Vineyard des selben Jahrgangs von Kanonkop (dichtes, frisches Rot, sehr tiefes Blaubeeren- und Würzaroma, viel Stoff und Struktur, große Eleganz am Gaumen, Kommerzialisierung noch nicht entschieden) und nicht zuletzt den suberben Le Sommet 2006 von Mont du Toit (intensives, frisches Rubin, noch völlig verschlossen in der Nase, dicht, saftig am Gaumen, mit fester Struktur, perfektes, reifes tannin, sehr lang im Abgang - fast ein Traumwein).

Am Abend konnte ich dann im Hotel noch eine Reihe von Weinen verkosten, deren Aussteller nicht an der Cape Wine teilgenommen haben. Schönster der Serie war der 2005er Syncronicity von Martin Meinert, ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinotage. In dieser Form lässt man sich sogar den Merlot gefallen!

 

23. September 

Ein Wunder - es geht auch ohne Zuckerstückchen! 

(Kapstadt, 14:50 h) - Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Ken Forrester hat die Restsüße bei seinem Spitzenwein "FMC" tatsächlich ein gutes Stück zurückgeschraubt, etwa auf das Niveau seines "Grand Chenin", den er in früheren Jahren produzierte. Das Resultat ist großartig: Eine Fruchtdichte und eine aromatische Länge im Abgang, die in diesem Land (und darüber hinaus) ihresgleichen suchen. Toll! Und die 9 g Restzucker spürt man zwar noch - natürliche Restsüße ist ja nicht zuletzt auch ein hervorragender Aromaträger -, aber sie stören nicht mehr, sondern tragen zur Kraft und zur Fülle des Weins bei.

 

Die ersten Weine sind die schwersten 

(Kapstadt, 13:30 h) - Die ersten Weine auf Messen wie der Cape Wine sind immer die schwersten. Der Gaumen ist noch "trocken" und der Kaffee vom Morgen wirkt nach. Aber nach zwei, drei Proben am Stand von Raka Wines, einem aufstrebenden Gut aus der Gegend von Klein Rivier im Overberg-Distrikt, geht das Verkosten schon gut von der Hand, pardon, vom Gaumen. Selbst der Merlot ist hier zum Genießen, und der 2007er-Jahrgang zeigt sich schon deutlich besser als der 2006er zum gleichen Zeitpunkt. 

Ses'fikile heißt "Wir haben's geschafft!" oder "Wir sind angekommen!", und das kann man angesichts der schönen Weine wirklich bestätigen. Wie nicht anders zu erwarten, stellt sich bei Swartland-Weinen der Shiraz (Reserve Matriarch) am besten dar. Weinmacher der schwarzen (Frauen)Crew ist übrigens Bruce Jack - offenbar doch immer noch ein wenig Hans Dampf in allen Gassen. Die Weine tragen allesamt Namen, die sich auf die schwarzen Traditionen des Landes beziehen: Rain Song, Matriarch etc. Die Qualitäten sind vor allem bei den Einstiegsweinen (Rain Song) beeindruckend.

Unsere "musts" von dieser Reise als Empfehlung für die Besucher der Cape Wine: Tulbagh Mountain Vineyards, Saronsberg, Raats family wines, Scali - W. de Waal, Quoin Rock, De Trafford. Und aus unseren früheren Tastings empfehlen wir einen Besuch bei (vorbehaltlich deren Teilnahme, die wir nicht überprüfen konnten): Mont du Toit, Martin Meinert, Boekenhoutskloof, Kaapzicht, The Spice Route, Saxenburg, Beyerskloof und natürlich Klassiker wie Clos Malverne, Kanonkop oder Meerlust.

 

Südafrikas Zukunft 

(Kapstadt, 10:00 h) - Ex-Präsident Mbeki und seine möglichen Nachfolger füllen die Seiten der Tageszeitungen, aber heute morgen geht es vordergründig nicht um die politische Zukunft des Landes, sondern um die seiner Wirtschaft, insbesondere der Weinwirtschaft, die hier in der Western Cape Region den bedeutendsten Wirtschaftszweig überhaupt darstellt.  Erster Sprecher ist Dennis Dykes, der die allgemeinen wirtschaftlichen Parameter erklärt. Auf dem Podium neben ihm Paul Cluver, JP Landmann, Laurine Platsky, Jonathan Daniels mit auffallendem grünem Turban und schließlich Su Birch, die Chefin von WOSA. Dykes legt dar, dass der ungebrochene wirtschaftliche Aufschwung seit dem Regime-Wechsel 1993 einerseits auf eine günstige internationale Konstellation, andererseits aber auch auf intelligente Steuerpolitik zurückzuführen ist, die den Aufschwung beflügelte und insbesondere große sozialpolitische Ausgaben erlaubte, die Inflation und Zinssätze senken half und die Ökonomie insgesamt öffnete. Erst 2008 brechen die Umfragewerte für das Vertrauen in die Entwicklung etwas ein - sowohl bei den Investoren, als auch beim Verbraucher. Grund dafür sind die politische Entwicklung im Lande selbst, aber auch die internationalen Krisen (Subprime crisis in USA), die Krise der Stromversorgung im Land und wieder steigende Zinsen. Von allen Bereichen der Landwirtschaft hat der Weinbau in den letzten 15 Jahren die rasanteste Entwicklung erlebt und die mittel- bis langfristigen Aussichten des Landes insgesamt werden als durchaus positiv wahrgenommen. 

Die Eröffnungskonferenz der Cape Wine 2008 - von links nach rechts: Paul Cluver, Dennis Dykes, Laurine Platsky, Jonathan Daniels und Su Birch.
 

Dieses Land dürfte theoretisch gar nicht existieren, meint JP Landmann, einer der wichtigen politischen Analysten des Landes, betrachtet man seine Zerrissenheit: 11 Sprachen, fünf Religionen, extrem Reiche und extrem Arme, 1. und 4. Welt. Und dennoch existiert es, und Landmann unterstreicht, dass dies auch ein Resultat der überraschenden Stärke der südafrikanischen Demokratie ist, die, allen Unkenrufen zum Trotz, seit 1994 schon vier Regierungswechsel erlebt hat, ohne dass es zu tiefgreifenden politischen oder sozialen Unruhen gekommen wäre. Dennoch: Während die letzten 10 Jahre das Land reicher und prosperierender gemacht haben - auch die Arbeitslosenzahlen und die Armutsstatistik profitierten von dieser Entwicklung -, bleibt es eine große Aufgabe, auch auf der Ebene des "sozialen Kapitals", der Werte, der Kohärenz und des demokratischen Funktionierens einer modernen Gesellschaft, einen ähnlichen Fortschritt zu bewerkstelligen. Das sagen sowohl Ex-Präsident Mbeki, als auch seine Gegner, die ihn aus dem Amt gejagt haben. Gesundheit, Erziehung und Kriminalität identifiziert Landmann als die großen Aufgaben der nächsten Regierung, egal, wer an ihrer Spitze steht.

Auch Su Birch von WOSA hat auf der Veranstaltung einen Blick auf die Zukunft gewagt: "Ten Years from now" nennt sie ihren Vortrag. "Wir schreiben das Jahr 2018 und vergangenen Monat hat Madonna ihren 60. Geburtstag mit dem ersten Rockkonzert auf dem Mond gefeiert. Ihr Flug dorthin wurde von Virgin Galactic, der Raumflotte von Richard Branson, gesponsort, die heute Chinesen gehört. Wir schreiben das Jahr 2018 und die Chinesen dominieren den niedrigpreisigen Weinmarkt der Welt, obwohl sie selbst fast 70 % der eigenen Weinproduktion im Land konsumieren, meist mit 7-Up gemischt. Südafrika ist von seinem Platz als neuntgrößter Erzeuger von China und Indien verdrängt worden. Im Land selbst sind fast alle für Weinbau geeigneten Flächen entwickelt und die Rebfläche stieg zwischen 2008 und 2018 von 100.000 auf 140.000 Hektar. Die neuen Flächen liegen in den Küstenstrichen der Western und Eastern coasts. Während 1988 noch 85 % der Flächen mit weißen Sorten bestockt waren, ist ihr Anteil auf nur 45 % gesunken..." Wir werden es (hoffentlich) erleben! 

 

22. September 

Man spricht deutsch 

(Constantia, 23:00 h) - Die Südafrikaner lieben es lockerer! Jedenfalls sind die meisten "functions", die ich in der Weinwelt des Landes miterleben konnte, recht unverbindlich in Form und Inhalt. Wie bei der Veranstaltung "Kape Kontrei Cuisine" heute abend, bei der einige Hundert Gäste ungezwungen von Stand zu Stand flanierten und zu den exquisiten Häppchen, die von den besten Köchen der Region zubereitet wurden, einige wirkliche Weinhighlights probieren können. Wie die Weine von Saronsberg und Tulbagh Mountain Vineyards, über die wir bereits berichtet haben. Oder den 2005er Chardonnay Méthode Ancienne von Springfield Estate in Robertson, der wunderbar fruchtig und frisch geblieben ist, trotz seiner inzwischen vier Jahre. Bei den Köchen war auffällig, wie viele von ihnen sich auf deutsch unterhielten. Österreicher und Deutsche scheinen hier die Spitzengastronomie ganz maßgeblich zu prägen, wie etwa der Deutsche Bresselschmidt vom Restaurant Aubergine in Kapstadt und der Österreicher Sinn, dessen Restaurant am Wembley Square seinen Namen trägt.  

 

Eine Riesenkrake - das neue Stadion 

(Kaptstadt, 16:00 h) - Cape Town bekommt ein neues Wahrzeichen. Nach dem Tafelberg und der noch jungen "Waterfront", dem Erlebnis- und Shopping-Centre im Hafen, entsteht derzeit direkt hinter den letzten Gebäuden der  "Waterfront" das Fußballstadion für die WM 2010. Das Betonskelett scheint schon fertiggestellt, so weit man das von weitem beurteilen kann, und in den unteren Rängen wirkt der Bau insgesamt recht fortgeschritten. In der Lobby meines Hotels treffe ich Irina von Holdt, die von einer Hamburger Familie abstammt. Sie ist Wein-Autorin, gründete aber bereits 1995 zusammen mit ihrer Tochter die Old Vine Cellars und kaprizierte sich bereits damals, als die Sorte noch ein Aschenputteldasein führte, darauf, hochwertige Weißweine aus Chenin blanc zu erzeugen. Inzwischen ist die Palette etwas breiter geworden, und die von Holdts erzeugen auch Rot- und Schaumwein. Da sie nicht auf der Cape Wine Show ausstellen, werde ich die Weine wohl in den nächsten Tagen im Hotel verkosten müsesn.

 

Immer wieder gut - der Klassiker Wijnhuis 

(Stellenbosch, 14:30 h) - Das Wijnhuis im Zentrum von Stellenbosch gibt es schon, seit ich in Sachen Wein in Südafrika unterwegs bin. Es hat einige Höhen und Tiefen durchgemacht, aber unter deutscher Küchenleitung derzeit wieder ein sehr gutes Niveau erreicht. Ich treffe mich mit Ernst Gouws von Ernst & Co. sowie seiner Tochter Inke, die mich in Diensten von WOSA schon vor vielen Jahren durch Südafrikas Weinbaugebiete kutschierte. Inke importiert heute Champagner - eine Myriade kleiner Erzeuger - und hat offenbar enormen Erfolg damit. Ernst, ein Absolvent der Weinbauschule von Weinsberg, hat nach der Trennung von seinem alten Partner mit Ernst & Co. wieder eine sehr erfolgreiche Linie gestartet. Das Beste an diesem amüsanten Lunch: die Flasche Olivenöl, deren Etikett den Inhalt als "Cold Pressed Virgin", kaltgepresste Jungfrau, ausweist.

 

Kapstadt liegt in Südamerika 

(Somerset West, 11:30 h) - Bruce Jack war in den letzten Jahren so etwas wie der Hans Dampf in allen Gassen des südafrikanischen Weinbaus. Wann immer man ihn traf, hatte er Weine einer neuen Marke, eines neuen Joint-Ventures im Gepäck. Jetzt hat er eine Aufgabe übernommen, die allzu viel Eskapaden nicht mehr erlauben dürfte: Er ist Chef der südafrikanischen Niederlassungen von Constellation Brands, der weltgrößten Kellereigruppe aus den USA, und als solcher nicht mehr nur verantwortlich für seine Flagstone-Weine - diese Marke hat er an Constellation verkauft -, sondern auch für Kumala und Fish Hoek. Seine Joint-ventures hat er bis auf eines beendet: Sowohl Jack & Knox als auch Berrio werden von seinen ehemaligen Partnern weitergeführt.  

Kapstadt und Somerset-Stellenbosch liegen auf Land, das auf dem Urkontintent eigentlich zum späteren Südamerika gehörte, erklärt Bruce Jack, Elim gehörte zur Antarktis. Das erklärt für ihn den unterschiedlichen Charakter der Weine beider Gebiete, v. a. die größere Mineralität der Weine von Elim. (s. Foto) Die Kausalität erscheint mir dann doch etwas verwegen! Aber schön ist die Theorie allemal!

Die Weine von Bruce Jack bieten alle guten Trinkgenuss, vielleicht fehlt ihnen ein letztes Stück Struktur und Komplexität, aber das wäre bei den Mengen, die insbesondere von den Massenmarken Kumala und Fish Hoek erzeugt werden, ja auch ein Wunder.

Bruce Jack zeichnet die Teile der Kapregion ein, die beim Auseinanderbrechen des Urkontintents eigentlich zu Südamerika, zur Antarktis, zu Asien etc. hätten gehören müssen.

 

Unübertroffene Herzlichkeit 

(Stellenbosch, 09:30 h) - Schade eigentlich, dass ich aus dem Hotel De Oude Werf in Stellenboschs Church Street, mitten im Zentrum und umgeben von interessanten Restaurants, Kunstgalerien und Souvenirläden, auschecken muss, da ich für die nächsten vier Tage in Kapstadt untergebracht sein werde. Schöne Zimmer, gutes Essen und vor allem eine fast unglaubliche Freundlichkeit, nein Herzlichkeit vom gesamten Personal. An solchen Orten muss man sich einfach wohlfühlen!  

 

21. September 

Wenn Waterford ruft 

(Stellenbosch, 22:30 h) - Die "Weingesellschaft" von Stellenbosch und Umgebung hat sich heute abend auf dem Weingut Waterford getroffen, einem Nachbarn der Traffords. Es gibt eine ganze Reihe Weiß- und Rotweine zu kosten, von denen allerdings nur wenige voll überzeugen, und das Büffet besteht nur aus einer kleinen Auswahl kalter Vorspeisen und etwas Käse zum Schluss. Die Gesellschaft hat's trotzdem goutiert, und uns Reisenden tat es bestimmt ganz gut, einmal nicht drei Stunden in Folge gestopft zu werden. Dem ruf von Kevin Arnold waren sie jedenfalls alle gefolgt: Jan Boland Koetze vom Vriesenhof, Eben Sadie mit seiner Frau, Su Birch, die Chefin von Wines of South Africa, Journaisten und Importeure aus aller Welt, und, und, und....

 

Hinten im Tale 

(Stellenbosch, 18:15 h) - Um zu den Traffords zu kommen, braucht man Geduld. Die Abfahrt von der breiten Straße Stellenbosch-Somerset macht noch einen guten Eindruck, aber schon bald nach dem Passieren des Schlagbaums, mit dem sich einige der Weingüter im Süden von Stellenbosch vor ungebetenen Besuchern zu schützen suchen, fängt eine Holperpiste an, wie es sie in weitem Umkreis nicht schlimmer gibt. Jedenfalls ist jeder Besucher, der es bis zum Weingut De Trafford schafft, einigermaßen durchgerüttelt. Das in satte Vegetation eingebaute, kleine und in seiner Ausstattung fast rudimentär wirkende Gut von David und Rita Trafford entschädigt dann aber mit seinen Weinen voll für die mühselige Anfahrt. Cabernet Sauvignon, Syrah und sogar der andernorts meist uninteressante Merlot zeigen sich hier von eleganter Aromatik und Struktur, wirken so fest und klassisch, dass man ganz automatisch eher an europäische Weine als an solche aus der Neuen Welt denkt. In dieser Höhe und Abgeschlossenheit, wo sich der Besucher vielleicht nur wundert, wie die Trauben im Schatten der hohen Berge auf allen Seiten überhaupt ausreifen können, kommen Jahrgangsunterschiede voll zur Geltung. Noch nicht im Handel, aber schon jetzt überzeugend ist der 2006er Elevation 393: mit dickem Brombeerrot, noch verschlossenen, aber sehr tiefen Aromen, klassischen Cassis-Zedernnoten und am Gaumen einem kompakten Extraktpaket, ist er der schönste Wein des Hauses. Das noch junge, aber sehr elegante Tannin, und der sehr lange, aromatische Abgang könnten ihn mit ausreichender Reifezeit auch zu einem Traumwein machen.

 

Quoin Rock - Bio-Eleganz

(Stellenbosch, 12:20 h) - Ja, man kann organischen Weinbau betreiben, ohne dogmatisch zu werden und die Geschichte auf den Kopf stellen zu wollen, wie es Eben Sadie gestern versucht hat. Die Fahrt mit Carl van der Merwe, dem Weinmacher und General Manager von Quoin Rock - nicht verwandt mit Nico van der Merwe -, einem knapp acht Jahre alten Weingut in direkter Nachbarschaft von Delheim und Muratie an der Straße von Stellenbosch nach Paarl, ähnelt zwar einem Höllenritt, mit zahlreichen Querfeldeinpassagen im Eiltempo und Fahrten über hohe, schmale Dämme, ist aber ungemein spannend. Wenn van der Merwe  von seinen Anstrengungen erzählt, den Weinbau des gutes auf organische Bewirtschaftung umzustellen, nimmt man ihm das wirklich ab. Beeindruckend die zwei Geruchsproben von Erdbrocken aus benachbarten Weinbergen mit identischen Böden - der eine organisch, der andere traditionell bewirtschaftet. Während die organische Erde duftet und strahlt, ist die Gegenprobe stumpf und tot.

Auch bei der Probe seiner durchweg blitzsauberen, ausdrucksvollen und sehr eleganten Weiß- und Rotweine überrascht van der Merwe: Sein Chardonnay ist ein perfektes Testimonial gegen die aktuelle, dümmliche Barrique-Diskussion, die sich meist in Bemerkungen vom Stil "der Wein hat zu viel Holz" erschöpft. Dieser Chardonnay ist im Barrique vergoren und ausgebaut, zu 40 % sogar in neuen französischen Fässern. Er ist dabei aber so elegant, fruchtig, lebendig und frisch, dass man vom Holz fast nichts mehr merkt. Wenn ein Wein also "zu viel Holz" hat, dann liegt es fast immer am Grundwein, der zu schwachbrüstig ist, um den Holzausbau zu vertragen.

Die Quoin-Rock-Weine sind insgesamt von großer Eleganz sowie überraschender aromatischer Fülle und Frische. Das gilt vor allem für den Cabernet-Syrah-Verschnitt (Estate) und den erwähnten Chardonnay. Auch der Süßwein (Sauvignon blanc Vine dried) ist weit entfernt von der üblichen exotischen Üppigkeit; statt dessen gibt es feine Frucht und einen fast trockenen Abgang gepaart mit großer Eleganz. 

Carl van der Merwe lässt Besucher gern an der Erde seiner organisch bewirtschafteten Weinberge und an der von klassischen Flächen in der Nachbarschaft schnuppern. Der Unterschied ist frappierend. Auf der einen Seite üppiges Leben - auf der anderen tote Hose. Was die Investoren von Quoin Rock hier an Finanzmitteln in der Landschaft verteilt haben, ist unglaublich - zu den Gebäudekomplexen gehört auch eine riesige Mansion, die dem historischen Lanzerac in Stellenbosch nachempfunden wurde (im Hintergrund auf der Bergkuppe). 

 

Nicos Baustelle 

(Stellenbosch, 10:30 h) - Die Grenze zwischen Kapstadt und Stellenbosch wird durch einen Stacheldrahtzaun markiert, der um Nico van der Merwes neues "Weingut" gezogen ist. Weingut ist dabei ein ausgesprochener Euphemismus, denn um mehr als eine Baustelle mit noch nicht fertig renoviertem Wohnhaus, einen großen Schuppen, der einmal den Keller beherbergen soll, und ein kleines Gästehaus handelt es sich bei diesem Weingut noch nicht. Dafür ist der Blick grandios: Von den letzten Hügel Stellenboschs auf der Linken, Somerset West, die False Bay, das Kap der Guten Hoffnung, den Tafelberg und Kapstadt, geht der Blick bis auf die Hügel der Durbanville Hills auf der Rechten. Wahrlich ein grandioses "Renten"projekt, wie Nico es nennt, der als Weinmacher des benachbarten Gutes Saxenburg berühmt wurde.  Was die Weine betrifft, so sind sie alle sehr hochwertig, auch wenn vielleicht noch ein wirklicher Überflieger fehlt. Elegant und tief der neue Shiraz, der jetzt mit dem 2006er-Jahrgang zum ersten Mal auf den Markt kommt.

 

Braai mit Tafelberg 

(Stellenbosch, 08:00 h) - Saftig und würzig - das galt gestern abend sowohl für die Weine von Bruwer Raats wie auch für das typisch südafrikanische Braai - eine Art Fleisch- oder Geflügeleintopf in Steingut auf dem offenen Feuer geschmort -, das wir auf dem Weingut Sterhuis in Sichtweite des Tafelbergs genießen durften. Ein schöner Abend!

 

20. September 

Zwangsurlaub! 

(Stellenbosch, 16:00 h) - Nachdem ich heute Gelegenheit hatte, insgesamt sechs (in Zahlen: 6!!) Weine zu verkosten, erfahre ich bei meiner Ankunft in Stellenbosch, dass außerdem von meinem ursprünglichen Besuchswunsch mit insgesamt 19 Betrieben an den Tagen um die Cape Wine Show ganze 8 übrig geblieben sind, nicht einmal die Hälfte, obwohl in allen bisherigen, provisorischen Programmen immer noch die meisten der Namen aufgetaucht waren. Nun wäre ja nichts gegen Urlaub am Hotelpool zu sagen, aber das dann doch lieber mit Familie, nicht ohne sie - zumal in Anbetracht der Tatsache, dass mein Sohn seinen fünften Geburtstag morgen ohne Papa feiern muss, der statt dessen 9.000 km entfernt Zwangsurlaub machen könnte. Da sollte sich doch noch was machen lassen, und es lässt sich noch was machen: Meine Klage wird von WOSA flugs erhört und ich bekomme ein interessantes Besuchsprogramm für den morgigen Sonntag. Dann gibt es auch wieder mehr zu berichten.

Die Weinberge von Voor-Pardeberg

 

Eben Sadie, der Ideologe 

(Voor-Pardeberg, 14:30 h) - Als ich Eben  Sadie vor sechs Jahren kennenlernte, da verdarb er den von der Idee her an sich interessanten Abend dadurch, dass er stundenlang alleine quasselte und weder die Zuhörer, noch seinen ebenfalls anwesenden Kollegen Willie de Waal zu Wort kommen ließ. Offenbar hat sich die Tendenz zum Alleinunterhalter seither noch verstärkt. Noch mehr gestört hat mich allerdings die Tatsache, dass Sadie zu denen zu gehören scheint, die bei jeder neuen Masche - in Weinberg, Keller oder Marketing - meinen, die gesamte Weltgeschichte neu erfinden zu müssen, um ihren Tick zu begründen. Eben Sadie ist beispielweise gegen den Einfluss neuer Barriques in seinen Weinen und glaubt, das sei auch unökologisch, weil die Barriques ja aus Frankreich nach Südafrika transportiert werden müssten. Da fragt man sich doch, warum so viele neue Barriques in seinem Keller liegen (s. Foto) und außerdem, ob es denn sehr viel ökologischer ist, die Weine im Container in alle Welt zu schicken!

 

Willie und das Terroir 

(Voor-Pardeberg, 11:00 h) - Der Empfang bei Willie und Tania de Waal vom Weingut Scali war von überwältigender Herzlichkeit und Offenheit. Schoone Oord, schöner Ort, heißt das herlliche Landgut am Südosthang des Perdebergs vollkommen zu Recht. Und dann machen die beiden auch noch unglaublich gute Weine. Insgesamt sind es zwar nur drei, aber die haben es in sich: Der Blanc aus 70 % Chenin blanc, 25 % Chardonnay und etwas Viognier, ein reinsortiger Pinotage und ein reinsortiger Shiraz. Der Blanc (2007) und der Pinotage (2005) sind in diesem Jahr besser als je zuvor und vereinen auf fast ideale Weise Komplexität der Aromen mit Kraft und Eleganz am Gaumen. Die Syrah (2005), die ich bereits in London verkosten konnte, wird mit der Zeit immer reifer und runder. Der Betrieb und seine Weine sollten ein absolutes "must" für alle Besucher der Cape Wine Show in der nächsten Woche sein.

Willie de Waal zur Frage "Wie kommt das Terroir in den Wein?" (Auf das Bild klicken!)

 

Land's End 

(Riebeek Casteel, 09:00 h) - Nein, wir sind nicht am Kap der Guten Hoffung. Aber hier ist wirklich Land's End, Pampa, Zivilisationswüste, oder wie immer man das nennen. Unser Hotel ist nicht nur eisig kalt, sondern auch nicht in der Lage innerhalb von 35 Minuten